ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2019HIV-Infektion: Effektivität der Kombination Dolutegravir/Rilpivirin als Erhaltungstherapie belegt

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

HIV-Infektion: Effektivität der Kombination Dolutegravir/Rilpivirin als Erhaltungstherapie belegt

Dtsch Arztebl 2019; 116(44): A-2024 / B-1659 / C-1622

Warpakowski, Andrea

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Foto: picture alliance/BSIP
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In den beiden identisch angelegten randomisierten, kontrollierten, offenen Nicht-Unterlegenheitsstudien SWORD-1 und SWORD-2 war die Umstellung einer klassischen Dreifach-Kombinationstherapie auf eine duale Therapie mit dem Integraseinhibitor (INI) Dolutegravir und dem nicht-nukleosidalen Reverse-Transkriptase-Inhibitor (NNRTI) Rilpivirin bei HIV-Patienten mit stabil supprimierter Virusreplikation nach 48 Wochen vergleichbar wirksam wie die Fortführung der Tripletherapie. In einer aktuellen Auswertung zeigte sich, dass die duale Therapie auch ohne nukleos(t)idale Reverse Transkriptaseinhibitoren (NRTI) nach 100 Wochen die virologische Suppression bei den meisten Patienten aufrechterhielt.

Die Patienten hatten zu Studienbeginn unter einer ersten oder zweiten HIV-Therapie seit mindestens 6 Monaten eine nicht nachweisbare Viruslast von < 50 HIV-RNA-Kopien/mL. Sie durften kein virologisches Versagen in der Vergangenheit und keine NNRTI-assoziierte Resistenzmutationen haben. Die HIV-Therapie enthielt neben zwei NRTIs einen INI, einen NNRTI oder einen Proteaseinhibitor (PI). Entweder wurden die Patienten zu Studienbeginn sofort auf Dolutegravir/Rilpivirin umgestellt (n = 513, early switch) oder zunächst bis Woche 52 mit ihrer bisherigen HIV-Therapie weiterbehandelt (n = 511). Von den 511 Patienten mit zunächst fortgeführter Therapie wurde bei 477 Patienten nach 52 Wochen auf die duale Therapie umgestellt (Late Switch). Nach 100 Wochen lag in der gepoolten Auswertung bei 456 Patienten (89 %) aus der Early-Switch-Gruppe die Viruslast nach wie vor unter 50 Kopien/mL, in der Late-Switch-Gruppe bei 444 Patienten (93 %). Ein virologisches Versagen trat bei 3 % der Patienten mit Early Switch und 2 % mit Late Switch auf. Von 7 % und 5 % der Patienten gab es zu Woche 100 keine Angaben zur Viruslast.

Dolutegravir/Rilpivirin ist die erste zugelassene duale Fixdosistherapie zur Erhaltungsbehandlung von Patienten mit bereits supprimierter HIV-Infektion.

Fazit: „Mit dieser Substanzkombination steht erstmals auch eine NRTI-freie HIV-Therapie zur Verfügung, die vor allem bei NRTI-Unverträglichkeiten oder -Resistenz eine für den Patienten einfache Option ist“, kommentiert Prof. Dr. med. Jürgen Rockstroh, Bonn. „Die Daten aus der langen Nachbeobachtung sind wichtig, weil sie eine anhaltende Effektivität und gute Langzeitverträglichkeit belegen, beides ist unabdingbar für eine dauerhafte Erhaltungstherapie. Da bei einer HIV-Infektion nach wie vor lebenslang Medikamente eingenommen werden müssen, ist die Entwicklung simplifizierter Therapien, die möglicherweise mit weniger Substanzen auskommen und vielleicht sogar kumulative Toxizitäten begrenzen, sehr attraktiv. Die geringe, aber doch vorhandene Möglichkeit des virologischen Versagens und nachfolgender Resistenzentwicklung lassen die Kombination Dolutegravir/Rilpivirin vor allem bei Patienten mit guter Therapieadhärenz sinnvoll erscheinen. Derzeit sind aber auch andere duale Therapien in Entwicklung oder bereits zugelassen, die in klinischen Studien ohne Resistenzentwicklung einhergingen. Damit können wir in naher Zukunft mit weiteren neuen dualen Therapiestrategien rechnen.“ Andrea Warpakowski

Aboud M, Orkin C, et al.: Efficacy and safety of dolutegravir–rilpivirine for maintenance of virological suppression in adults with HIV-1: 100-week data from the randomised, open-label, phase 3 SWORD-1 and SWORD-2 studies. Lancet HIV 2019; 6 :e576–87.

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