ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2019Hypertonie: Demenzrisiko hängt auch vom Blutdruck in jüngeren und mittleren Jahren ab

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Hypertonie: Demenzrisiko hängt auch vom Blutdruck in jüngeren und mittleren Jahren ab

Dtsch Arztebl 2019; 116(45): A-2087 / B-1710 / C-1671

Meyer, Rüdiger

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Ocskay Bence/stock.adobe.com
Foto: Ocskay Bence/stock.adobe.com

Eine Hypertonie ist ein vermeidbarer Risikofaktor für Demenzen im Alter. Eine Langzeitstudie zeigt jetzt, dass sich der Blutdruck im Alter von 36 bis 53 Jahren auf Läsionen in der Magnetresonanztomografie (MRT) auswirkt, die frühe kognitive Störungen anzeigen (1).

Eine Normotonie kann das Demenzrisiko senken. Dies wurde bisher nur für ältere Menschen gezeigt, die vermutlich bereits über viele Jahre hyperton waren. Daher war offen, ob ein früherer Therapiebeginn mehr Schutz entfaltet. Die „Insight 46“-Studie bestätigt die Ergebnisse nun für jüngere Menschen. Es handelt sich um eine Kohorte von anfangs 5 362 Briten des Jahrgangs 1946, die seit ihrem 36. Lebensjahr regelmäßig befragt und untersucht werden. 502 Teilnehmern (69 bis 71 Jahre) wurden mit MRT und Positronen-Emissionstomografie (PET) untersucht.

Im MRT korrelieren Hirnatrophie und „White Matter Lesions“ (WML) mit den zerebralen Durchblutungsstörungen, die die Kognition beeinträchtigen und Demenzen hervorrufen. Die PET weist zudem Beta-Amyloide als Kennzeichen einer Alzheimererkrankung nach.

Ein Team um Jonathan Schott vom University College London hat nun MRT- und PET-Befunde mit früheren Blutdruckwerten abgeglichen, die im Alter von 36, 43, 53, 60 bis 64 und 69 Jahren gemessen worden waren. Eine Hypertonie mit 53 Jahren und ein stärkerer Anstieg im Jahrzehnt davor korrelierten mit einer größeren WML-Ausdehnung im Alter zwischen 69 und 71.

Fazit: Dies bedeutet, dass der Boden für Hypertonie-assoziierte Demenzen bereits 15 bis 25 Jahre vor der Diagnose bereitet wird. Bei der Hirnatrophie zeigt sich dieser Einfluss sogar in noch früheren Jahren. Eine Hypertonie im Alter von 43 Jahren und ein stärkerer Anstieg im Alter von 36 bis 43 ging mit kleineren Hirnvolumen im Alter zwischen 69 und 71 Jahren einher.

Für Schott zeigt das, dass das Alter zwischen 36 und 53 Jahren eine „sensible“ Phase für eine Hypertonie-bedingte demenzielle Entwicklung darstellt. Und es könnte ein Therapiezeitfenster („window of opportunity“) sein, in dem durch eine Blutdruckkontrolle die größte protektive Wirkung gegen eine spätere Demenz erzielt werden kann.

Eine klinische Konsequenz wäre, mit dem Hypertoniescreening nicht erst – wie heute üblich – mit 40 Jahren, sondern früher zu beginnen und gegebenenfalls konsequent zu behandeln. Ein Einfluss des Blutdrucks auf die Amyloid-Ablagerungen in der PET war übrigens nicht erkennbar. Dies spricht dafür, dass der Blutdruck die Entwicklung eines Morbus Alzheimer nicht direkt beeinflusst. Rüdiger Meyer

Lane CA, Barnes J, Nicholas JM, et al.: Associations between blood pressure across adulthood and late-life brain structure and pathology in the neuroscience substudy of the 1946 British birth cohort (Insight 46): an epidemiological study. The Lancet 2019; 18 (10): 942–52.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.