ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2019MB-Umfrage: Oberärzte unter Druck

ÄRZTESTELLEN: Kurz notiert

MB-Umfrage: Oberärzte unter Druck

Dtsch Arztebl 2019; 116(45): [4]

Glöser, Sabine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Jacob Lund/stock.adobe.com
Foto: Jacob Lund/stock.adobe.com

Der Arbeitsalltag vieler Oberärzte in deutschen Krankenhäusern ist von einem hohen ökonomischen Druck und vielen administrativen Tätigkeiten geprägt. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer Onlineumfrage des Marburger Bundes (MB) Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz, an der insgesamt 1247 Oberärztinnen und Oberärzte aus den beiden Bundesländern teilnahmen. 42 Prozent der Befragten arbeiten an einer Klinik in kirchlicher Trägerschaft, 27 Prozent an einem kommunalen Krankenhaus, 16 Prozent an einer Uniklinik und 15 Prozent in einer Klinik mit privatem Träger.

Der Umfrage zufolge beurteilen zwei Drittel der Oberärztinnen und Oberärzte ihre Arbeitssituation als gut oder befriedigend, 18,2 Prozent als ausreichend, 9,6 Prozent als mangelhaft und 1,9 Prozent als ungenügend. 92 Prozent der Befragten beklagen, dass sie am Tag zwischen einer und vier Stunden ihrer Arbeitszeit verlieren, weil sie nichtärztliche administrative Tätigkeiten ausführen müssten. Zudem geben mehr als 41 Prozent der Oberärzte an, dass interne ökonomische Vorgaben ihre Tätigkeit prägen. Das Gebot der Wirtschaftlichkeit ist für 39 Prozent bestimmend.

Anzeige

Weitere Ergebnisse: Mehr als 28 Prozent der Oberärztinnen und Oberärzte berichten, weder Geld noch Freizeitausgleich für Überstunden zu erhalten. Auch liege die Belastung in Rufbereitschaften am Wochenende oft über 50 Prozent. Überdies haben mehr als 77 Prozent nicht genügend Zeit für die Weiterbildung ihrer Assistenzärzte. Und nur jeder Zweite hat ausreichende Möglichkeiten, sich selbst fortzubilden.

„Die Politik sollte die beklagten Arbeitsbedingungen der Oberärztinnen und -ärzte in Krankenhäusern zur Kenntnis nehmen“, forderte Dr. med. Hans-Albert Gehle, erster Vorsitzender des Marburger Bundes Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz. „Sie sind eine Folge der fortschreitenden Öko­nomi­sierung der Medizin, der jahrelangen chronischen Unterfinanzierung unserer Kliniken und der uns fehlenden Studienplätze.“ sg

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.