ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2019Pränataler Bluttest: Kritischer Blick
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Wir Ärzte sollten uns nicht zu Handlangern von Start-up-Unternehmen machen (lassen), indem wir im Bereich genetischer und pränataler Untersuchungen fragwürdige Laboruntersuchungen verkaufen, vor allem, wenn ein Unternehmen im Rahmen seines offensiven Direct-to-consumer-Marketings in seiner „Vision“ davon spricht, dass wir Ärzte absehbar nicht den nötigen Überblick haben und daher unsere Patienten sich selbst darum kümmern müssen. Als Facharzt könnte man ja z. B. den Überblick gewinnen, dass die vom Unternehmen behaupteten Angaben zu Sensitivität und Spezifität nach eigenen Angaben auf einer einzigen Untersuchung beruhen, die man wohl kaum als aussagekräftige klinische Studie (schon gar nicht reproduziert), sondern lediglich als eine Proof-of-principle-Studie bezeichnen kann; das legt die Frage nahe, ob etwa die klinische Validierung mithilfe der jeweils 695 Euro zahlenden Patientinnen stattfinden soll. Wer demgegenüber im Zusammenhang mit einer invasiven Pränataldiagnostik im Jahr 2019 von einem Fehlgeburtsrisiko von 1 bis 2% spricht (vgl. Homepage der Firma), hat wohl selbst nicht den aktuellen fachlichen Überblick. Außerdem wäre die ärztliche Alternative ja nicht, jeder Schwangeren eine invasive Pränataldiagnostik anzubieten, sondern ggf. eine qualifizierte genetische Beratung, in deren Rahmen mit ihr u. a. auf der Basis von Eigen- und Familienanamnese geklärt wird, ob überhaupt und wenn ja, welche genetischen Untersuchungen indiziert sind. Und einem Paar mitteleuropäischer Abstammung eine Diagnostik auf Hämoglobinopathien verkaufen zu wollen, nur weil (nämlich in Folge u. a. des Kriegs in Syrien) in Berlin und Hamburg mehr entsprechende Patienten geboren werden (vgl. Homepage der Firma), ist schon ziemlich starker Tobak; selbst bei entsprechender ethnischer Herkunft wären ein dann indiziertes „kleines Blutbild“ und eine Hämoglobin-Elektrophorese deutlich billiger und schneller; damit könnte man sich dann etwa 99 von 100 solcher „pränataler Bluttests“ sparen. Nein, ich werde nicht Eluthia-Verkäufer, ich bleibe für meine Patienten Arzt mit kritischem (Über-)Blick!

Dr. med. H.-J. Pander, 70174 Stuttgart

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