ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2019Herz-Kreislauf-Stillstand: Hypothermie ist auch bei nichtschockbarer Arrhythmie vorteilhaft

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Herz-Kreislauf-Stillstand: Hypothermie ist auch bei nichtschockbarer Arrhythmie vorteilhaft

Dtsch Arztebl 2019; 116(45): A-2087 / B-1710 / C-1671

Eckert, Nadine

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Foto: anitalvdb/stock.adobe.com
Foto: anitalvdb/stock.adobe.com

Nicht nur dann, wenn sich eine Arrhythmie mittels Elektroschock behandeln lässt, nützt die Senkung der Körpertemperatur einem komatösen Patienten. Nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand und erfolgreicher Reanimation hat eine moderate therapeutische Hypothermie offenbar auch dann einen günstigen Effekt auf das neurologische Ergebnis, wenn die Betroffenen initial einen nichtschockbaren Rhythmus gehabt hatten. Dies hat eine randomisiert-kontrollierte Open-Label-Studie einer Arbeitsgruppe des Centre Hospitalier Universitaire in Nantes ergeben.

Bei schockbaren Arrhythmien gilt die neuroprotektive Wirkung einer milden therapeutischen Hypothermie als gesichert. Keine abschließende Klarheit gibt es indes darüber, ob dieser Nutzen auch bei Herz-Kreislauf-Stillständen besteht, denen eine Asystolie oder eine pulslose elektrische Aktivität zugrunde liegt.

In die randomisierte Studie schlossen die Intensivmediziner 584 Patienten ein, die auf 25 Intensivstationen in Frankreich rekrutiert wurden. In der Hypothermie-Gruppe wurde die Körperkerntemperatur 24 Stunden lang durch eine Infusion kalter Flüssigkeit oder über die Kühlung der Körperoberfläche auf 33 °C gesenkt. In der Normothermie-Gruppe wurde hingegen eine Körpertemperatur von 37 °C beibehalten.

Fazit: Nach 90 Tagen untersuchten die Mediziner, wie viele Patienten überlebt hatten und einen Cerebral Performance Category- (CPC-)Score von 1 oder 2 aufwiesen. Der CPC-Score dient als Maß für das neurologische Ergebnis und reicht von 1 bis 5. Werte von 1 und 2 gelten als günstiges Outcome. Je höher der Score ausfällt, desto stärker ist die neurologische Beeinträchtigung.

Tatsächlich schnitten die Patienten in der Hypothermie-Gruppe signifikant besser ab als die Patienten in der Normothermie-Gruppe. An Tag 90 waren in der Hypothermie-Gruppe 10,2 % der Patienten noch am Leben und wiesen einen CPC-Score von 1 oder maximal 2 auf. In der Normothermie-Gruppe waren es dagegen nur 5,7 %. Keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen gab es hinsichtlich Mortalität und Nebenwirkungen. Nadine Eckert

Lascarrou JB, Merdji H, Le Gouge A, et al.: Targeted Temperature Management for Cardiac Arrest with Nonshockable Rhythm. NEJM 2019 Oct 2; doi: 10.1056/NEJMoa1906661.

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