ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2019Randnotiz: Dossiers unterm Tannenbaum

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Randnotiz: Dossiers unterm Tannenbaum

Dtsch Arztebl 2019; 116(45): A-2053 / B-1685 / C-1649

Beerheide, Rebecca

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Im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) ist es oft anstrengend, bis ein Beschluss gefasst ist. Es werden lange und immer zäher werdende Debatten um die immer gleichen Fragen zu Personalschlüsseln in Klinken geführt, die sich bis zum Schwindelanfall im Kreis drehen. Ab dem kommenden Jahr wird dieser Endlosstreit auch noch live übertragen und in einer neuen G-BA-Mediathek für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich sein. So lange nichts auf Video oder Audio aufgezeichnet werden darf, werden die Sitzungen durch die zwischen Heiterkeit und bissiger Ironie schwankenden Sprüche des unparteiischen Vorsitzenden Josef Hecken aufgelockert. Sehr selten gibt es auch Beschlüsse, in denen es menschelt: So stellte ein großer Pharmakonzern mit Schwerpunkt auf Diabetespräparate den Antrag, ihr Dossier zum Wirkstoff Dulaglutid etwas später einreichen zu dürfen. Aufgefordert hatte der G-BA die Firma dazu am 18. Juli, mit Frist bis zum 2. Januar 2020. Normalerweise benötigen Pharmaunternehmen zwölf bis 18 Monate für ein Dossier. Der Antrag nun: Verlängerung der Abgabe um vier Wochen – genau am 3. Februar 2020. Warum? „Da wollen sie bei der Pharmafirma Lilly wohl eine Weihnachtspause“, witzelte es im Plenum. „Wir im G-BA lesen die Dossiers auch unter dem Tannenbaum“, hieß es. Bei Lilly findet man die Kommentierung nicht lustig: „Wir hätten zu jeder anderen Jahreszeit genau denselben Antrag gestellt“, heiß es auf Nachfrage. „Entspannt in die Weihnachtsferien“ zu gehen, sei nicht Grund des Wunsches auf Fristverlängerung. Passend zur Jahreszeit ist das aber absolut menschlich.

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