ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2019Klimaschutz: Gesunde Bewegung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Es ist sehr zu begrüßen, dass das Deutsche Ärzteblatt das Thema Klimawandel und Fridays for Future aufgenommen hat. Der Klimawandel ist als Thema in der Therapie angekommen und darf genauso wenig wie alle anderen Tatsachen aus dem Leben unserer Patienten ausgegrenzt werden. Im Gegenteil, jede Therapeutin und jeder Therapeut sollte wissen, wie er/sie mit diesen Zukunftsängsten der Patienten umgeht. Wir können auf Ängste nicht ohne Beurteilung der realen Risiken eingehen. Klimawandel ist keine Weltanschauung oder Meinung, sondern Tatsache, jedenfalls für wissenschaftlich orientierte Menschen. Deshalb hat das Thema in der Therapie mit dem Abstinenzgebot, das zu Recht Meinungsmache verhindern soll, nichts zu tun. Im Gegenteil: Jene, die vor dem Thema Klimawandel als Meinungsmache in der Therapie warnen, sind selbst Meinungsmacher, die sich nicht am Stand der Wissenschaft orientieren.

Zwei Anmerkungen: Am Ende des Interviews sagt Frau van Bronswijk, es schmerze ihr Psychologenherz, die Parentifizierung mitzuerleben. Wir teilen diesen Schmerz nicht. Denn die Bewegung ist außerordentlich gesund und stärkt die Psyche der jungen Leute, weil sie den Tatsachen ins Gesicht sehen und handeln.

Es ist ein Teil der Strategie von Gegnern der FFF mit dem Bedauern „der armen Kinder“, deren Engagement für unsere gemeinsamen Ziele zu untergraben. Das sollten wir, auch unbeabsichtigt, nicht unterstützen. Uns schmerzt vielmehr, dass die gesellschaftliche und politische Welt der Erwachsenen sich bisher als handlungsunfähig zeigt. Hocherfreut lassen wir uns von den jungen Leuten inspirieren und anstacheln, mitzuhelfen bei der Lösung dieses weltweiten Problems.

Anzeige

Eine Nebenbei-Aussage der Psychologists/Psychotherapists for future teile ich nicht: „Die weltweiten, aber auch nationalen Behandlungskapazitäten, um eine solche Krise zu bewältigen, sind aktuell nicht gegeben und müssen geschaffen werden.“

1. Diese Probleme sind überhaupt nicht durch Behandlungskapazitäten, sondern durch den Zusammenschluss aller denkenden Menschen zur Bewältigung der Probleme zu lösen. Deshalb finden wir die Forderung nach mehr Behandlungskapazitäten an dieser Stelle nicht passend.

2. Es bringt die Initiative der kritischen Psychotherapeuten auch in ein schwieriges Licht, da diese Aussage leicht das Geschmäckle bekommen kann, wir würden im Kielwasser der Fridays-for-Future Berufspolitik machen.

Dipl.-Psych. Wolfgang Siegel, 44379 Dortmund

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige