ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2019Misophonie: Noch wenig Wissen zur Therapie

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Misophonie: Noch wenig Wissen zur Therapie

PP 18, Ausgabe November 2019, Seite 520

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Misophonie ist eine heftige Aversion gegen bestimmte Geräusche. Obwohl sie pathologische Formen annehmen kann, ist sie nicht offiziell als psychische Erkrankung klassifiziert. Um sich der Misophonie anzunähern, haben britische Psychologen und Neurologen 31 Studien ausgewertet und sind dabei zu folgenden Ergebnissen gekommen: Misophonie tritt häufig im Jugendalter auf. Sie wird durch Geräusche ausgelöst, die im näheren Umfeld des Betroffenen auftreten und von anderen Personen produziert werden. Dazu zählt etwa Kauen, Schmatzen, Schlucken, Schneuzen, Niesen und Klopfen. „Misophonie-Betroffene reagieren darauf mit Stress, Angst, Unbehagen, Ekel, Panik, Verärgerung, Hass oder Aggression“, berichten die Autoren. Um sich vor unerwünschten Geräuschen zu schützen, vermeiden sie einerseits entsprechende Situationen. Auf lange Sicht ziehen sie sich immer mehr zurück. Misophonie geht oftmals mit Zwangsstörungen, ADHS, Depressionen, Tourette, soziale Phobie, Panikstörung oder Borderline-Störung einher. Das Wissen um die Behandlung steckt noch in den Kinderschuhen. Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie (zum Beispiel Konfrontation), die Akzeptanz- und Commitmenttherapie, die Dialektisch-Behaviorale Therapie sowie die Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT), teilweise in Kombination mit Psychopharmaka, haben sich jedoch in Ansätzen als erfolgversprechend erwiesen. ms

Potgieter I, MacDonald C, Partridge L, Cima R, Sheldrake J, Hoare DJ: Misophonia: A scoping review of research. Journal of Clinical Psychology 2019; 75 (7): 1203–1218.

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