ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2019Transdiagnostische Behandlung: Neuer Therapieansatz aus Boston

BÜCHER

Transdiagnostische Behandlung: Neuer Therapieansatz aus Boston

PP 18, Ausgabe November 2019, Seite 521

Koch, Joachim

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Weil es gute Gründe für die Umkehrung des Trends zu immer größerer Spezialisierung auf einzelne Störungen gibt, haben die amerikanischen Autorinnen und Autoren von der Universität Boston (man könnte sagen: The Boston Therapy Party) einen Behandlungsansatz konzipiert, der auf ein breites Spektrum von Problemen und Patienten anwendbar ist. Dieser Behandlungsansatz ist jetzt ins Deutsche übersetzt worden.

Die transdiagnostische Behandlung psychischer Störungen (im englischen Original: Unified Protocol) entlastet Therapeuten, sich mit der Behandlung jeder Störung einzeln vertraut machen zu müssen. Stattdessen muss nur eine Art von Intervention erlernt werden, um eine evidenzbasierte Therapie für die meisten häufigen Störungen bieten zu können. So gibt es Untersuchungen für die Wirksamkeit des Ansatzes bei verschiedenen Angststörungen, Depressionen und bei der Zwangsstörung. Erste positive Ergebnisse stellt das Autorenteam auch bei Alkoholmissbrauchs- oder Abhängigkeitsdiagnosen, bipolaren Störungen, Borderline-Persönlichkeitsstörungen und posttraumatischen Belastungsstörungen vor. Im Buch ist der Ansatz sehr gut verständlich beschrieben. Er basiert auf traditionellen kognitiv-behavioralen Prinzipien. Seine Hauptannahme besteht darin, dass Personen mit emotionalen Störungen maladaptive Strategien der Emotionsregulation benutzen und ein Umlernen mit verschiedenen Komponenten notwendig ist. In einer Übersicht über initiale Diagnostik und Verlaufskontrolle weist das Autorenteam auch auf das DIPS Open Access: Diagnostisches Interview bei psychischen Störungen nach DSM-5 hin (https://omp.ub.rub.de/index.php/RUB/catalog/book/100).

Anzeige

Die Autoren haben eine Behandlung mit 12 bis 16 Sitzungen konzipiert, die wöchentlich erfolgen sollen. Das Programm besteht insgesamt aus acht Modulen. Davon werden fünf Module als Kernmodule gesehen. Bei diesen fünf Modulen geht es um die achtsame Bewusstheit für Emotionen, das Erlernen von kognitiver Flexibilität, das Identifizieren und Verändern von emotionsbezogenem Verhalten, die Arbeit an körperlichen Empfindungen und Emotions-Expositionen. Zwei zentrale Perspektiven des Programms sind das intensive Üben (!) sowie die Konfrontation als eine Anti-Vermeidungsstrategie. Neben dem Therapeutenmanual gibt es ein umfangreiches Arbeitsbuch für Patienten mit Hausaufgaben, vielen Erläuterungen zu den einzelnen Modulen sowie Übungs- und Arbeitsblättern. Auch das Arbeitsbuch ist didaktisch sehr gut aufbereitet, es gibt beispielsweise eine umfangreiche Sammlung von ausgefüllten Beispielformularen. Mit Spannung kann erwartet werden, welche Verbreitung dieser Ansatz in der Therapielandschaft findet. Joachim Koch

David H. Barlow, Todd J. Farchione, Shannon Sauer-Zavata et al.: Transdiagnostische Behandlung emotionaler Störungen. Therapeutenmanual. Hogrefe Verlag, Göttingen 2019, 208 Seiten, kartoniert, 39,95 Euro

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema