ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenSUPPLEMENT: Onkologie 3/2019Methadon in der Krebstherapie: Erste klinische Multicenterstudie

SUPPLEMENT: Perspektiven der Onkologie

Methadon in der Krebstherapie: Erste klinische Multicenterstudie

Dtsch Arztebl 2019; 116(46): [24]

Gießelmann, Kathrin

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Ob Methadon als Wirkverstärker einer Chemotherapie bei Krebs helfen kann, wurde in den letzten Jahren kontrovers diskutiert. Zum ersten Mal soll jetzt eine prospektive klinische Studie belastbare Antworten liefern. Die Deutsche Krebshilfe hat sich entschlossen, die Studie unter Leitung der Universitätsklinik Ulm bei Patienten mit fortgeschrittenem Darmkrebs mit 1,6 Millionen Euro zu fördern.

Eingeschlossen in die Studie werden Patienten mit bereits metastasiertem Darmkrebs, bei denen die Chemotherapie nicht mehr anschlägt. „Die Krebszellen nehmen die Medikamente nicht mehr auf, sie sind widerstandsfähig geworden. Unsere Hypothese ist, dass Methadon den Tumor wieder empfindlich für die Chemotherapeutika macht – auch dann, wenn alle anderen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind“, erläutert der Studienleiter Prof. Dr. med. Thomas Seufferlein, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Ulm.

Zunächst wird die Verträglichkeit des Methadons und die passende Dosis in Verbindung mit der Chemotherapie anhand einer kleinen Gruppe von Studienteilnehmern in Ulm, Hamburg und Mannheim untersucht.

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In der zweiten Phase der Studie werden etwa 70 Patienten in 2 Therapiearme aufgeteilt: Eine Gruppe erhält die Chemotherapie zusammen mit Methadon. Die Kontrollgruppe wird – wie bislang üblich – mit einer Chemotherapie sowie bei Bedarf mit Morphium oder anderen Schmerzmitteln behandelt werden. „Dabei geht es zwar primär um den Therapieerfolg an sich – darüber hinaus möchten wir aber auch die Lebensqualität unserer Patienten im Auge behalten“, erklärt Seufferlein. Die Studie soll bis zum Jahr 2026 abgeschlossen werden. Erste belastbare Resultate könnten frühestens Anfang 2022 vorliegen.

Zu einem Ansturm auf Methadon und einer Welle der Hoffnung auf Heilung war es 2017 gekommen, nachdem die Chemikerin Dr. rer. nat. Claudia Friesen im Fernsehen von ihren Ergebnissen aus Zellkulturstudien berichtet hatte und zudem in Medien auf Fälle hingewiesen worden war, in denen Krebspatienten nach Methadoneinnahme eine Besserung erfahren haben sollen. Die öffentlichkeitswirksame Vorgehensweise von Friesen wurde daraufhin von verschiedenen Seiten scharf kritisiert. gie

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