ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2019Kontrazeptiva: Fatale Seite der Zurückhaltung
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... Die dänischen Daten zu erhöhter Prävalenz von Depression und Suizid bei jugendlichen Frauen sollten auch in absoluten Zahlen diskutiert werden. Für Suizide wurden 1,2 mehr je 100 000/Jahr errechnet. Das ist individuell sicher tragisch.

Dabei ist zu bedenken, dass nach einer aktuellen repräsentativen Erhebung 12 % jugendlicher Mädchen um 15 Jahre an depressiven Verstimmungen leiden. In diesem Kollektiv kann es in Situationen wie belastenden Partnerbeziehungen zu Suizidgedanken kommen.

Deshalb generell mit Pillenverordnungen zurückhaltend zu sein, wäre fatal, wenn es zu ungewollten Schwangerschaften und Abbruchüberlegungen kommt. Beides verstärkt Depression.

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Die Spirale wird oft als Alternative empfohlen. Damit wird Dysmennorrhoe verstärkt (IUP-Fremdkörper will Uterus via Kontraktionen ausstoßen) und Vaginosen mit belastendem Fluor sind häufig (IUP als Fremdkörper löst lokal Entzündung aus).

Depressive Jugendliche sind oft recht sensibel und werden durch diese IUP-Nebenwirkungen verunsichert bzw. verängstigt. Damit lohnt primär die sichere Pillenverordnung, auch bezogen auf kindliche Aspekte. Denn jugendliche Mütter mit Depression gefährden ihre Kinder. Letztere haben ein deutlich erhöhtes Autismusrisiko, mit 10 je 1 000. Das Depressionsrisiko bei Kindern mit jugendlichen depressiven Müttern kann in ausgeprägter Form zur Risikoverdoppelung von Depression bei deren Kindern führen.

Nach einer aktuellen Psychiaterstudie aus den Niederlanden können bei Jugendlichen mit depressiven Symptomen bereits vor erster Pilleneinnahme diese durch die Pille deutlich gemindert werden. Das spricht auch dafür, trotz Depressionsproblemen die Pille zu favorisieren.

Bei Pillenerstverordnung ist darauf hinzuweisen, dass in den ersten drei Einnahmemonaten am ehesten Depressionsprobleme auftreten und danach in der Regel abnehmen. Gynäkologische Kontrolle erfolgt meist nach drei Monaten.

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. J. M. Wenderlein, 80975 Ulm
Literatur beim Verfasser

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