ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2019Amputation: Multidisziplinäres Handeln
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Durch rechtzeitige und zielgerichtete Interventionen, endovaskuläre Bypassoperationen oder Patchplastiken kann die Amputationsrate bereits stark gesenkt werden. Leider bestehen zu diesem Zeitpunkt bereits oft Wunden mit freiliegenden und/oder infizierten Sehnen, Knochen oder Gelenken, die auch unter der verbesserten Perfusion nicht abheilen. Durch ein suffizientes Debridement können Nekrosen entfernt und Infekte beherrscht werden. Im Anschluss daran kann durch ggf. mikrovaskuläre Gewebeverpflanzungen eine Weichteilrekonstruktion erfolgen, die den Extremitätenerhalt oder zumindest Teil-

erhalt erlaubt. Funktionelle Strukturen werden bedeckt, Hohlräume ausgefüllt. Transplantiertes, gut durchblutetes Gewebe kann die Perfusion des ortsständigen Gewebes zusätzlich befördern. Selbst wenn nur noch ein Gefäß am Unterschenkel oder Fuß zur Verfügung steht, kann an dieses oder an einen vorgelegten Bypass ein Gewebetransplantat angeschlossen werden, ohne die Durchblutung zu gefährden. Studien haben sogar gezeigt, dass die Vergrößerung der Ausstrombahn durch das Gewebetransplantat die Offenheitsrate des Bypasses erhöhen kann.

Es konnte mittlerweile nachgewiesen werden, dass durch eine organisierte multidisziplinäre Zusammenarbeit das amputationsfreie Überleben verlängert wird. Durch eine solche Zusammenarbeit können die Grenzen der einzelnen Fachgebiete überschritten und Kenntnisse und Erfahrungen zum Wohle des Patienten ausgetauscht werden. Auch aus Sicht der Wirtschaftlichkeit ist die Bildung solcher interdiszi-plinärer Kompetenzzentren geboten, weil durch die Verbesserung der Organisation mit klaren, kurzen Funktionsabläufen außer- und innerklinische Verlegungskarussells vermieden und die Liegezeiten verkürzt werden. Angiologen, Diabetologen, Radiologen, Fuß- und septische Chirurgen, Gefäßchirurgen, Orthopäden und Plastische Chirurgen sollten Teil eines solchen Teams sein. Meist kann, wenn es der Allgemeinzustand der Betroffenen erlaubt, gemeinsam debridiert, revaskularisiert und rekonstruiert werden und so die Amputation verhindert oder zumindest hinausgezögert werden.

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Prof. Dr. med Adrien Daigeler, 72076 Tübingen

Literatur beim Verfasser

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