ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2019Hartmannbund: Ressourcen besser nutzen

POLITIK

Hartmannbund: Ressourcen besser nutzen

Dtsch Arztebl 2019; 116(46): A-2119 / B-1735 / C-1695

Osterloh, Falk

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Der Hartmannbund rief auf seiner Haupt­ver­samm­lung zu einer klügeren Nutzung der ärztlichen Arbeitszeit auf. Eine stärkere Fokussierung auf wirklich hilfebedürftige Patienten wurde dabei ebenso gefordert wie eine bessere Krankenhausplanung und Zuzahlungen für Patienten.

Klaus Reinhardt forderte mehr Arztzeit für die Versorgung von schwer kranken Patienten. Foto: CHLietzmann
Klaus Reinhardt forderte mehr Arztzeit für die Versorgung von schwer kranken Patienten. Foto: CHLietzmann

Der Hartmannbund hat auf seiner Haupt­ver­samm­lung Anfang November in Berlin dazu aufgerufen, in Deutschland gewissenhafter mit gesundheitlichen Leistungen umzugehen. In einem Beschluss forderten die Delegierten des Verbandes den Gesetzgeber auf, Regularien zu schaffen, die den unkoordinierten Zugang von Versicherten zu Leistungen des Gesundheitssystems verhindern. Die dazu eingesetzten Instrumente seien so zu gestalten, dass sie dem medizinisch indizierten Bedarf gerecht würden.

Anzeige

„Es ist unmöglich, bei begrenzten Mitteln Gesundheitsleistungen in unbegrenzter Menge für alle Bürger zu erbringen“, heißt es in dem Beschluss. Diese unbegrenzten Möglichkeiten des Einzelnen führten mit Blick auf begrenzte finanzielle Mittel und Personalressourcen zu einem Mangel an Behandlungskapazitäten zulasten derjenigen, die aufgrund ihres Gesundheitszustandes besonders kurzfristigen Zugang zum System benötigten. „Das Beheben dieses Missverhältnisses findet derzeit einseitig auf dem Rücken der in der Versorgung tätigen Akteure statt“, kritisierten die Delegierten.

Zuzahlungen mit Maß

Sie verwiesen auf europäische Nachbarländer, in denen es Instrumentarien wie Leistungsbegrenzungen, Einschränkungen der Wahlfreiheit des Patienten oder obligatorische Zuzahlungen gebe. Das Instrument der Zuzahlung begrenze zum Beispiel die Inanspruchnahme von Leistungen, da die Versicherten die selbst zu tragenden Kosten gegen den Nutzen abwägten und ihre Nachfrage gegebenenfalls anpassten. „Ob dabei Zuzahlungen eine sinnvolle Steuerungswirkung entfalten, hängt vom richtigen Maß ab: Zu niedrige Zuzahlungen entfalten keine Lenkungswirkung. Zu hohe Zuzahlungen können bestimmte Personengruppen von notwendigen Inanspruchnahmen abhalten“, heißt es in dem Beschluss.

Der Vorsitzende des Hartmannbundes, Dr. med. (I) Klaus Reinhardt, forderte in seiner Rede zudem einen besseren Umgang mit den Ressourcen im ambulanten Bereich. Denn derzeit könnten sich Ärzte nicht in dem Ausmaß um ihre schwer kranken Patienten kümmern, wie sie es wollten, weil auch viele Patienten in den Wartezimmern säßen, die dort nicht sitzen müssten.

„Man braucht zum Beispiel keinen gut eingestellten Hypertoniker mit guter Compliance einmal im Quartal zu sehen“, betonte Reinhardt, der seit Mai dieses Jahres auch Präsident der Bundes­ärzte­kammer ist. „Ich könnte diesem Patienten ein Rezept für ein Jahr ausstellen und bräuchte ihn dann auch erst wieder in einem Jahr zu sehen.“

Derzeit gebe es in den Praxen vielfach einen Turnover, der Zeit vergeude. Wenn die Ressourcen im ambulanten Bereich besser alloziert würden, bedürfe es auch keiner gesetzlichen Vorgaben wie denen aus dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG). „Dann hätten wir noch viel kürzere Wartezeiten in den Praxen, als wir sie ohnehin schon im Vergleich zu anderen Ländern haben“, so Reinhardt.

Für eine bessere Allokation der Ressourcen sprach sich Reinhardt auch im stationären Bereich aus. Denn die Zahl der Krankenhausstandorte in Deutschland sei zu hoch. Der Vorsitzende des Hartmannbundes rief die Bundesländer dazu auf, eine besser abgestimmte Krankenhausplanung auf den Weg zu bringen.

Was sind ärztliche Aufgaben?

Zudem forderte er Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) dazu auf, mit der Ärzteschaft „in einen konstruktiven Dialog“ über den demografischen Wandel bei Ärzten einzutreten. „Ein Drittel der Ärzteschaft geht in den Jahren 2027 bis 2031 in Rente“, sagte Reinhardt. „Gleichzeitig gehen auch die anderen Babyboomer in Rente und brauchen dann wahrscheinlich mehr Versorgung als heute.“

Vor diesem Hintergrund müsse sich die Form des ärztlichen Handelns und deren Umfang ändern. Reinhardt: „Deshalb plädiere ich für eine behutsame, kluge Beschäftigung mit der Frage: Was müssen Ärzte wirklich tun und was können auch andere Berufsgruppen machen?“ Falk Osterloh

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.