ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2019Homosexualität: Gesetz will „Behandlungen“ bei Minderjährigen verbieten

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Homosexualität: Gesetz will „Behandlungen“ bei Minderjährigen verbieten

Dtsch Arztebl 2019; 116(46): A-2110 / B-1728 / C-1688

KNA; Hillienhof, Arne

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Konversionstherapien gegen Homosexualität sollen nicht mehr beworben werden dürfen. Foto: DusanManic/iStock
Konversionstherapien gegen Homosexualität sollen nicht mehr beworben werden dürfen. Foto: DusanManic/iStock

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat seine Pläne für ein gesetzliches Verbot von „Behandlungen“ gegen Homosexualität konkretisiert. Ein Gesetzentwurf soll Schutzbedürftige vor sogenannten Konversionstherapien bewahren, ohne die Selbstbestimmungsrechte infrage zu stellen. Deshalb ist das Verbot abgestuft formuliert. Bei unter 18-Jährigen sollen entsprechende „Behandlungen“ untersagt werden. Bei Volljährigen wären diese „Behandlungen“ grundsätzlich zulässig. Dies gilt allerdings nicht, wenn Personen, die bei ihrer Entscheidung, sich behandeln zu lassen, einem „Willensmangel“ unterliegen – bedingt etwa durch Täuschung, Irrtum, Zwang oder Drohung. Bei 16- bis 18-Jährigen soll das Verbot nicht greifen, wenn folgende Bedingung erfüllt ist: Der Behandler muss den Nachweis erbringen, dass die behandelte Person die notwendige Einsichtsfähigkeit über Tragweite und Risiken der „Behandlung“ verfügt. Verstöße gegen das neue Gesetz sollen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder hohen Bußgeldern geahndet werden. Spahn plant, auch das Bewerben, Anbieten und Vermitteln solcher „Behandlungen“ zu verbieten. Das Verbot soll für alle gelten, die eine solche „Behandlung“ durchführen, dafür werben, sie anbieten oder vermitteln, nicht nur für Personen, die berufsmäßig handeln. Das können auch die Eltern einer minderjährigen Person sein. Eltern oder andere Sorgeberechtigte werden allerdings nur bestraft, wenn sie bei ihrem Handeln ihre Erziehungspflichten gröblich verletzen. Hintergrund des Vorstoßes ist laut Ge­sund­heits­mi­nis­terium, dass immer noch „Behandlungen“ gegen Homosexualität angeboten werden. In der medizinischen Fachwelt herrsche seit Jahren Konsens, dass diese schwerwiegende psychische Belastungen und ein erhöhtes Suizidrisiko nach sich ziehen könnten. Zudem gebe es keine Belege für die Wirksamkeit. kna/hil

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