ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2019Tabakwerbeverbot: Verdammt viel Rauch

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Tabakwerbeverbot: Verdammt viel Rauch

Dtsch Arztebl 2019; 116(46): A-2103 / B-1723 / C-1683

Maibach-Nagel, Egbert

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Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur
Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur

Manchmal steht Deutschland ziemlich allein da. Zum Beispiel, wenn es um die Außenwerbung für Tabak geht. Im Gegensatz zu anderen EU-Mitgliedsstaaten hält sich hierzulande bis heute die Möglichkeit zur Außen- oder Kinowerbung für Zigaretten.

Der letzte, noch Ende vergangenen Jahres gestartete Versuch, das in anderen Staaten weit strenger gefasste EU-Werbeverbot auch in der Bundesrepublik endlich richtig umzusetzen, scheiterte bisher an der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Ein Trauerspiel, das Ende 2018 mit dem damals noch vorhandenen Einfluss von Tabakwerbe-Fürsprecher und Ex-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) noch einmal zugunsten der Raucher-Lobby ausging.

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Das soll jetzt anders werden, auch in der CDU/CSU: Die neue Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig (CSU), aber auch Kauder-Nachfolger Ralph Brinkhaus (CDU) setzen sich für das Werbeverbot ein und wollen gemeinsam mit dem Koalitionspartner SPD einen erneuten Anlauf nehmen: Ab 2022 soll laut jetzt bekanntgewordenen Eckpunkten das dann umfassende Verbot gelten. Ebenfalls im Gespräch ist eine Einschränkung von Werbung für E-Zigaretten, ab 2021 überdies ein Werbeverbot für Tabak in Kinos – allerdings, typisch deutsch, nur in Filmen, in denen unter 18-jährige zuschauen dürfen. Es ist ein hartnäckiger Kampf.

Aber ist Kauders Denke in Sachen Tabak tatsächlich vom Tisch? Nicht ganz, immer noch gibt es in der CDU Kritiker an den Koalitionsplänen. Zum Beispiel will der Thüringer Albert Weiler (CDU) von solchen Verboten durch seine Partei grundsätzlich nichts wissen.

Deutschlands Ärzteschaft hat im Zuge der wieder auflebenden Diskussion ihre Ablehnung gegen Raucherwerbung erneut bekräftigt. Der jüngst als Vorsitzender des Marburger Bundes nicht mehr zur Wahl angetretene, aber als CDU-MdB weiterhin aktive, nordrheinische Ärztekammerpräsident Rudolf Henke zählte jüngst das Werbeverbot zu seinen ausdrücklichen Wünschen.

Und Bundes­ärzte­kammerpräsident Dr. med. (I) Klaus Reinhardt fordert von der CDU/CSU, ihre bisherige Blockadehaltung in dieser Frage endlich aufzugeben. Es ist ein laut Deutschem Krebsforschungszentrum mit rund 79 Milliarden Euro direkten und indirekten Kosten opportunes Unterfangen, das sich weder über Steueraufkommen noch durch Veranstaltungssponsorengelder im politischen Bereich rechtfertigen lässt.

Dass aber die bisher als potenziell kleineres Übel diskutierte Umstiegslösung zur E-Zigarette Teil der Werbeverbote werden soll, dürfte den Tabakherstellern ihren ökonomisch avisierten Ausweg deutlich verhageln. Andererseits: Für tausende junge Menschen ist das die Chance, der Nikotinabhängigkeit zu entgehen. Ethisch müsste klar sein: Weder für Drogen, noch für deren Substitute ist Werbung angesagt. Unabhängig davon: Noch scheint das Phänomen E-Zigarette nicht so weit erforscht, dass es als Tabakalternative gelten kann.

Ob der Plan, auf Tabakwerbung endlich ganz zu verzichten, wirklich umgesetzt wird, bleibt aber abzuwarten. Auch der vor einem Jahr gescheiterte Anlauf hatte seinen guten Angang, bevor er ausgebremst wurde. Die von Rudolf Henke angesprochene Peinlichkeit, mit der sich Deutschland fortlaufend zur Lachnummer macht, ist leider noch nicht vom parlamentarischen Tisch.

Egbert Maibach-Nagel
Chefredakteur

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