ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2019Tarifverträge Pflege: Ehrenwerte Philosophie
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Den Vertretern der privaten Arbeitgeber in der Pflege ist ein Tarifvertrag für Altenpflegekräfte natürlich ein Dorn im Auge. Sie haben ihre lukrativen Gewinne, die sie jährlich mit den pflegebedürftigen Menschen einfahren, im Blick.

Und der Arbeitgeberverband Pflege wagt es noch, scheinheilig vor steigenden Zuzahlungen über den Eigenanteil der Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen zu warnen. Er verschweigt, worum es geht: Um die hohen Renditen, die den beteiligten Investoren versprochen wurden. ...

Die Pflegekräfte sind in der Regel hochmotiviert und bemühen sich wirklich um das Wohlergehen ihrer Schützlinge. Aber sie müssten sich zweiteilen, um den Anforderungen gerecht zu werden.

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Die Lösung wäre einfach, aber unbequem: Per Gesetz alle Pflegeheime dazu verpflichten, eine schwarze Null + Rücklagen für Investitionen zugunsten des Heimes zu erwirtschaften. Rendite zur Bereicherung privater Investoren verbieten. Dann könnten alle Pflegekräfte – inklusive der angelernten Mitarbeiter und Betreuer – anständig honoriert werden.

Ich bin davon überzeugt, dass sich dann viel mehr junge Menschen für diesen Beruf entscheiden, Ältere sich umschulen lassen und Quereinsteiger sich bewerben würden. Deutschland hat genügend Ressourcen. Aber der extrem anstrengende Einsatz muss sich finanziell lohnen, Wertschätzung konkret erlebt werden. Damit das Pflegepersonal gerne bleibt. 

Ich bin seit 25 Jahren als Fachärztin für Neurologie tätig, habe unzählige pflegebedürftige Menschen untersucht, mit ihren Angehörigen gesprochen und in Heimen besucht. Deshalb weiß ich, dass es – Gott sei Dank – Seniorenzentren gibt, deren Führungspersonen trotz widriger Umstände versuchen, ihre ehrenwerte Philosophie zu verwirklichen. Es wäre großartig, wenn sich Jens Spahn von den wahren Durchblickern der Altenpflegebranche beraten ließe, statt im Ausland seine und unsere Zeit zu verschwenden. 

Dr. med. Sabine Ott-Oechsle, 89281 Altenstadt

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