ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2019Typ-1- und 2-Diabetes: Fünf Cluster bilden die Schwere des Diabetes und krankheitsassoziierte Risiken ab

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Typ-1- und 2-Diabetes: Fünf Cluster bilden die Schwere des Diabetes und krankheitsassoziierte Risiken ab

Dtsch Arztebl 2019; 116(47): A-2195 / B-1795 / C-1751

Vetter, Christine

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Foto: Blutzuckerpittawut/stock.adobe.com
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Eine schwedische Kohortenstudie hatte schon im vergangenen Jahr Hinweise dafür geliefert, dass sich beim Diabetes mellitus des Erwachsenen
5 Subtypen mit unterschiedlichem pathophysiologischem und auch genetischem Profil unterscheiden lassen. Eine aktuelle Cluster-Analyse bei 1 105 neu diagnostizierten Typ-1- und Typ-2-Diabetikern der prospektiven multizentrischen deutschen Diabetes-Studie bestätigt diese Befunde.

In der Studie wurden 5 Patientencluster gebildet und 5 Jahre lang beobachtet. Die Cluster waren:

  • milder altersabhängiger Diabetes (mild age-related diabetes, MARD, 35 % d. Population),
  • milder Adipositas-bedingter Diabetes (mild obesity-related diabetes, MOD, 29 % der Population)
  • schwerer Autoimmun-Diabetes (severe autoimmune diabetes, SAID, 22 % d. Population)
  • schwerer Insulin-resistenter Diabetes (severe insulin-resistent diabetes, SIRD, 11% d. Population)
  • schwerer Insulin-defizienter Diabetes (severe insulin-deficient diabetes, SIDD, 3 % d. Population).

In den verschiedenen Clustern war ein unterschiedlicher Grad der Insulinresistenz festzustellen, und es bestand ein unterschiedliches Risiko für das Auftreten von Komplikationen.

So war die Insulinsensitivität bei Patienten mit SIRD bei Studienbeginn am geringsten (im Durchschnitt bei 4,3 mg/kg/min [Standardabweichung [SD]: 2,0). Bei Patienten mit SAID betrug die Insulinsensitivität 8,4 mg/kg/min (SD: 3,2; p < 0,0001), bei MARD 7,5 mg/kg/min (SD: 2,5); p < 0,0001), bei MOD 6,6 mg/kg/min (SD: 2,6; p = 0,0011) und bei SIDD 5,5 mg/kg/min (SD: 2,4; p = 0,0035).

Unterschiede ergaben sich auch beim Risiko für die Entwicklung von Komplikationen wie einer Fettleber. So war der hepatozelluläre Lipidgehalt am höchsten bei Patienten mit SIRD (median 19 %) im Vergleich zu MOD (7 %; p = 0,00052), MARD (5 %; p < 0,0001), SIDD (2 %; p = 0,0083) und SAID (1 %; p < 0,0001).

Nach 5 Jahren war die Prävalenz einer Leberfibrose entsprechend mit 26 % am höchsten bei Patienten mit SIRD gegenüber 7 % bei SAID (p = 0,0011), sie betrug 12 % bei MARD (p = 0,012) und 15% bei MOD (p = 0,050) und bei SIDD trat keine Leberfibrose auf. Eine diabetische Polyneuropathie entwickelte sich am häufigsten beim SIDD-Subtyp (36 %) gegenüber Patienten mit SAID (5 %), MARD (15 %), MOD (11%) und SIRD (17 %).

Fazit: Die Studie bestätigt frühere Befunde, wonach die klassische Trennung in Typ 1 und Typ 2 (neben sekundärem Diabetes mellitus und Gestationsdiabetes) die Heterogenität des Diabetes nicht ausreichend abbildet, kommentiert Prof. Dr. med. Baptist Gallwitz, Medizinische Klinik IV des Universitätsklinikums Tübingen, das Resultat. Gallwitz ist Vorstandsmitglied und Sprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft.

„Während der SAID im Wesentlichen dem klassischen Typ-1-Diabetes entspricht, gibt es 4 Cluster, die dem Typ-2-Diabetes zugeordnet werden können. Weitere wichtige Befunde betreffen vor allem den SIRD als schwere Diabetesform mit ausgeprägter Insulinresistenz und Fettleberprogression sowie einer schnelleren Entwicklung einer Nephropathie.

Die Studie belegt außerdem, dass sich im Verlauf der Erkrankung die Clusterzuordnung ändern kann“, so Gallwitz. Offen bleibt nach seinen Angaben allerdings, welche Diabetescluster von welchen Therapieformen profitieren und mit welchen Strategien ein Clusterwechsel von einer schweren Diabetesform in eine mildere zu erreichen ist. Christine Vetter

Zaharia OP, Strassburger K, Strom A, et al.: Risk of diabetes-associated diseases in subgroups of patients with recent-onset diabetes: a 5-year follow-up study, Lancet Diabetes Endocrin 2019; 7: 684–94.

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