ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2000Dialog: Kardinalfehler bei Aus- und Weiterbildung

SPEKTRUM: Leserbriefe

Dialog: Kardinalfehler bei Aus- und Weiterbildung

Dtsch Arztebl 2000; 97(6): A-282 / B-244 / C-220

Hornstein, Otto P.

Zu dem Beitrag "Ärztliche und pflegerische Verantwortung: Partnerschaftlicher Dialog ist gefordert" von Irmgard Hofmann in Heft 51-52/1999:
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LNSLNS . . . Wenn laut der zitierten Umfrage nur ein Viertel der Ärzte - im Gegensatz zur Mehrzahl der Pflegenden - die Art der Zusammenarbeit kritisch sieht, dann weist dies auf einen Kardinalfehler bei der ärztlichen Aus- und Weiterbildung hin. Denn das offenbar bestehende Defizit an patientennaher Information beraubt die Ärzte weitgehend der Möglichkeit, außerhalb der dem Pflegepersonal vorgeschriebenen "objektiven" Informationspflicht etwas über das subjektive Befinden ihrer Patienten beziehungsweise den individuellen Bedeutungsgehalt deren jeweiliger Erkrankung zu erfahren. Manchmal weiß hierüber die Nachtschwester (oder die Stationshilfe am Ende der hierarchischen Informationskette) mehr als der Stationsarzt, vom Chefarzt ganz zu schweigen. Auch eigene Bemühungen vor Jahren, den so wichtigen Dialog im klinisch-therapeutischen Dreieck von Arzt, Patient und Pflegepersonen durch feste außerplanmäßige, problemorientierte Gesprächszeiten (nicht nur Kurvenvisiten!) zu festigen, fanden ein unterschiedliches Interesse, sodass sich meine Erwartungen nicht immer erfüllten. Bekanntlich kann zwischenmenschliche Kommunikation weder durch Vorschriften noch Verordnungen (oder gar Gesetze) erzwungen werden, sondern höchstens durch persönlich gelebtes Vorbild. Wie aber, wenn EDV-gestützte Datenerfassung und gesteigerte betriebliche Administrationspflichten den (chef)ärztlichen Zeitrahmen immer mehr einengen?
Solange sich in den Kliniken an den rigorosen Bedingungen für wirtschaftskonforme Leistungserbringung der Ärzte und Pflegenden durch die Krankenhausträger (Leistungsanbieter) nicht Grundlegendes ändert, hat der in dem Artikel zu Recht geforderte partnerschaftliche Dialog keine reale Chance. Grundlegend wäre nach meiner Auffassung ein im Studium "von der Pike auf" gelehrtes (und gelebtes) Verständnis für psychosomatische Zusammenhänge, eine Wiederbelebung der konsiliarischen Gesprächs- und persönlichen Informationskultur unter uns Ärzten, und nicht zuletzt mehr Wissen um die Eigenständigkeit pflegerischer Aufgaben und Leistungen . . .
Prof. Dr. med. Otto P. Hornstein, Danziger Straße 5, 91080 Uttenreuth
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