ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2019Fortgeschrittenes Mammakarzinom: Abemaciclib plus endokrine Therapie verzögert die Zytostatikagabe um Jahre

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Fortgeschrittenes Mammakarzinom: Abemaciclib plus endokrine Therapie verzögert die Zytostatikagabe um Jahre

Dtsch Arztebl 2019; 116(48): A-2246 / B-1841 / C-1789

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: Axel Kock/stock.adobe.com
Foto: Axel Kock/stock.adobe.com

Die Kombination von CDK4/6-Inhibitoren mit Aromatasehemmern oder Antiöstrogenen wirkt der Entwicklung von Resistenzen unter endokriner Therapie (ET) bei Hormonrezeptor-positivem (HR+) Brustkrebs entgegen. Die Kombination hat das Ziel, ein weiteres Tumorwachstum, das Chemotherapien erforderlich macht, zu verhindern oder hinauszuzögern. Eine frühere Analyse der MONARCH-2-Studie hatte ergeben, dass das Hinzufügen des CDK4/6-Inhibitors Abemaciclib zum Antiöstrogen Fulvestrant bei Frauen mit fortgeschrittenen HR+/ERBB2– Mammakarzinomen das Risiko für das Erreichen des primären Endpunkts reduziert, nämlich einen Progress (Hazard Ratio [HR] für Progress: 0,55; [1]). Nun sind die Ergebnisse zum Gesamtüberleben publiziert worden, dem sekundären Endpunkt (2).

In die prospektiv randomisierte, doppelblinde Phase-3-Studie waren Frauen mit HR+/ERBB2– fortgeschrittenem Mammakarzinom aufgenommen worden, deren Tumor unter neoadjuvanter oder adjuvanter ET oder einer Erstlinien-ET progrediert war. Die Teilnehmerinnen durften maximal eine endokrine Vorbehandlung und keine Chemotherapie für die fortgeschrittene Erkrankung erhalten haben. Sie wurden 2 : 1 randomisiert in eine Gruppe mit Abemaciclib (150 mg oral) alle 12 Stunden plus Fulvestrant (500 mg i. m.) injiziert an Tag 1 und 15 des 1. Therapiezyklus und dann monatlich bis zum Progress. Die Kontrollgruppe erhielt 2-mal täglich Placebo und Fulvestrant wie im Verumarm bis zum Progress.

Eine Interimanalyse nach Eintreten von 77 % der erwarteten Todesfälle ergab ein medianes Gesamtüberleben von 46,7 Monaten in der Verumgruppe und von 37,3 Monaten unter Placebo (Hazard Ratio [HR] für Tod: 0,757; p = 0,0137). Das mediane Follow-up betrug 47,7 Monate. Es gab in allen Subgruppen, stratifiziert nach Lokalisation von Metastasen und primärer oder sekundärer ET-Resistenz, Unterschiede zugunsten des CDK4/6-Inhibitors, am deutlichsten bei viszeraler Erkrankung (HR für Tod: 0,675) und primärer ET-Resistenz (HR: 0,686). Die Zeit bis zur Chemotherapie betrug median 50,2 Monate bei Abemaciclib plus Fulvestrant und 22,1 Monate bei Fulvestrant alleine (HR: 0,625; p < 0,0001).

Fazit: „Bei Patientinnen mit metastasiertem HR+ Brustkrebs, die unter endokriner Therapie einen Progress hatten, verlängert das Hinzufügen eines CDK4/6-Inhibitors zu einer Zweitlinien-ET das Gesamtüberleben signifikant und klinisch relevant“, kommentiert Prof. Dr. med. Nadia Harbeck, Leiterin des Brustzentrums an der LMU München.

„Der Beginn einer Zytostatikabehandlung wegen erneuten Progresses lässt sich durch die Kombination um Jahre verzögern, das ist eine sehr gute Nachricht für unsere Patientinnen“, so Harbeck. „Die Daten sollten uns darin bestärken, CDK4/6-Inhibitoren bei dieser Gruppe von Patientinnen möglichst früh anzuwenden.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Sledge GW Jr, Toi M, Neven P, et al.: MONARCH 2: abemaciclib in combination with fulvestrant in women with HR+/HER2– advanced breast cancer who had progressed while receiving endocrine therapy. J Clin Oncol 2017; 35: 2875–84.
  2. Sledge GW Jr, Toi M, Neven P, et al.: The effect of abemaciclib plus fulvestrant on overall survival in hormone receptor–positive, ERBB2-negative breast cancer that progressed on endocrine therapy—MONARCH 2 A randomized clinical trial. JAMA Oncol 2019; doi:10.1001/jamaoncol.2019.4782.

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