ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2019Medienkonsum: Große Sachkenntnis-Defizite
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Erkenntnisse der Kurznotiz „Smart-phones machen Kinder krank“ wären eines Leitartikels wert gewesen. Neben den genannten Problemen von Übergewicht, motorischen Defiziten und Lernentwicklungsstörungen sind die schädlichen Folgen unsachgemäßen oder zu frühen Gebrauches digitaler Medien viel umfassender und beängstigender, und das umso gravierender, je früher der unkontrollierte Gebrauch einsetzt (Smartphone als Nannie, das „Still (smartphone) face“ junger Mütter. Die Tatsache, dass die Generation „Digital Natives“ jetzt ins reproduktive Alter gekommen ist und selbst Kinder großzieht, lässt die Problematik exponentiell wachsen.

Seit Jahren versuche ich, laiengerecht mit Vorträgen diese Gefahren zu benennen, die in internationalen Studien aber auch in meiner psychotherapeutischen Praxis deutlich wurden, wie Suchtentwicklung, Narzissmus, Empathieverlust, Zunahme der Aggression, Mobbing, Übermüdung, Vereinsamung, Verminderung der Konzentrationsfähigkeit, aber auch körperliche Beschwerden wie Handynacken, Kurzsichtigkeit und psychische Störungen wie Depression, FOMO (fear of mising out) und NOMO (no mobile phone-)Phobie. Dennoch stelle ich sowohl unter Erziehern, Pädagogen und Eltern (von Politikern ganz zu schweigen) nach wie vor große Defizite in Sachkenntnis fest, was auch die Akzeptanz meines Buches zu diesem Thema sehr behindert hat. Die allergrößte Gefahr sehe ich in der drohenden Störung frühkindlicher Entwicklungen, welche, wie ernst zu nehmende Studien gezeigt haben, dort am meisten Schaden anrichtet, wo eh schon sozialer Nachteil behindert.

Dr. med. Harald Walter, 31241 Ilsede

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote