ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2019Distales Magenkarzinom: Laparoskopische Gastrektomie nach neoadjuvanter Therapie hat einige Vorteile

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Distales Magenkarzinom: Laparoskopische Gastrektomie nach neoadjuvanter Therapie hat einige Vorteile

Dtsch Arztebl 2019; 116(48): A-2246 / B-1841 / C-1789

Heinzl, Susanne

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Foto: mauritius images
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Für frühe Magenkarzinome ist die minimal invasive Operation Standard. Unklar ist bislang, ob eine laparoskopische Operation auch bei neoadjuvanter Therapie ähnlich gute Ergebnisse hat wie eine offene Operation. Dieser Frage wurde in einer offenen Nichtunterlegenheits-Studie der Phase 2 nachgegangen, von der erste Kurzzeit-Daten publiziert worden sind (1).

In die chinesische Studie wurden 96 Patienten mit lokal fortgeschrittenem Magenkarzinom aufgenommen, die neoadjuvant mit Oxaliplatin und Capecitabin behandelt worden waren. Randomisiert wurden sie entweder laparoskopisch oder in einer offenen Operation distal gastrektomiert, jeweils mit D2-Lymph- adenektomie. Innerhalb von 6 Wochen nach Operation begann eine adjuvante Therapie mit Oxaliplatin und Capecitabin. Primärer Endpunkt der Studie ist das rezidivfreie Überleben nach 3 Jahren.

Die Kurzzeitergebnisse beziehen sich auf die chirurgische Radikalität, Operationskomplikationen und Sterblichkeit, auf den postoperativen Recovery-Index nach 2 Wochen und die Adhärenz an die adjuvante Therapie.

Die Per-Protokoll-Gruppe umfasste 95 Patienten, von denen 45 laparoskopisch und 50 offen operiert worden waren. Die postoperative Komplikationsrate war bei minimal invasiver Chirurgie mit 20 % signifikant niedriger als bei offener Operation mit 46 % (p = 0,007). Auch die analoge Schmerzskala war bei minimal invasivem Eingriff am 2. postoperativen Tag um 1,2 Einheiten niedriger als bei offener Operation (p = 0,008), obwohl der minimal invasive Eingriff länger dauerte. Außerdem durchliefen in der laparoskopischen Gruppe mehr Patienten die adjuvante Chemotherapie vollständig und weniger Patienten beendeten sie wegen Nebenwirkungen als in der Gruppe mit offener Operation.

Die Radikalität der Operation und der Blutverlust waren in beiden Gruppen vergleichbar. Auch die Zeit bis zur Normalisierung der Magenfunktion und zum Beginn der Nahrungsaufnahme unterschied sich nicht, ebenso wie die Dauer des Kranken­haus­auf­enthalts und die Hospitalisierungskosten.

Fazit: Diese Kurzzeitergebnisse belegen, dass die laparoskopische distale Gastrektomie nach neoadjuvanter Therapie durch erfahrene Chirurgen sicher durchgeführt werden kann, dass sie die postoperative Komplikationsrate senkt und dass sie die Toleranz der adjuvanten Chemotherapie verbessert.

Im begleitenden Editorial wird darauf hingewiesen, dass die Ergebnisse dieser monozentrischen Studie auch auf eine breitere Population übertragen werden könnten, zumindest in China (2). Bei der Übertragbarkeit auf westliche Länder gebe es aber Grenzen. Zum einen sei die Inzidenz des Magenkarzinoms in asiatischen Ländern viel höher, und zum anderen seien die Tumoren in westlichen Ländern häufig proximal lokalisiert, was eine multiviszerale Resektion erfordere. Wichtiger Befund sei jedoch, dass die Adhärenz an die adjuvante Therapie bei Laparoskopie besser war. Und: „Es wird interessant, ob es im Langzeitverlauf einen Vorteil beim Gesamtüberleben und beim rezidivfreien Überleben geben wird.“ Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

  1. Ziyu L, Shan F, Ying X, et al.: Assessment of laparoscopic distal gastrectomy after neoadjuvant chemotherapy for locally advanced gastric cancer. A randomized clinical trial. JAMA Surg 2019; doi: 10.1001/jamasurg.2019.3473.
  2. Sachs TE, Tseng JF: Laparoscopic resection after neoadjuvant chemotherapy for distal gastric tumors. Safe, but is it better? JAMA Surg 2019, doi:10.1001/jamasurg.2019.3474.

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