ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2019Landgericht Berlin: Verurteilung wegen bewusster Tötung eines kranken Zwillingskindes

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Landgericht Berlin: Verurteilung wegen bewusster Tötung eines kranken Zwillingskindes

Maybaum, Thorsten

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Das Urteil des Landgerichts Berlin ist noch nicht rechtskräftig. Foto: dpa
Das Urteil des Landgerichts Berlin ist noch nicht rechtskräftig. Foto: dpa

Das Landgericht Berlin hat eine leitende Oberärztin und einen ehemaligen, inzwischen pensionierten Chefarzt eines Berliner Klinikums wegen Totschlags zu Freiheitsstrafen von einem Jahr und sechs Monaten sowie einem Jahr und neun Monaten verurteilt (Az.: 532 Ks 7/16). Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Das teilte das Landgericht kürzlich mit. Die 32. Große Strafkammer sah es demnach als erwiesen an, dass die beiden Gynäkologen 2010 während eines Kaiserschnitts zunächst ein erstes gesundes Kind entbunden, deren eineiige Zwillingsschwester aber mittels einer Kaliumchloridinjektion bewusst getötet haben. Dieses zweite Mädchen habe einen schweren Hirnschaden gehabt, welcher bereits im Verlaufe der Schwangerschaft festgestellt worden war, weshalb sich die Eltern der Kinder für eine sogenannte Spätabtreibung entschieden hatten. Anstatt das Kind während der Schwangerschaft im Mutterleib zu töten, wie es nach Angaben des Landgerichts bei einer entsprechenden Indikation zulässig und medizinisch möglich gewesen wäre, hätten die Ärzte zunächst den Beginn der Geburt abgewartet, um den Eingriff vorzunehmen. Nach Einsetzen der Eröffnungswehen hätten sie den Mutterleib geöffnet, das gesunde Kind zur Welt gebracht und dann das geschädigte Kind getötet, obwohl es lebensfähig gewesen sei. Dies sei rechtlich als Totschlag im Sinne des § 212 Strafgesetzbuch zu werten, sagte der Vorsitzende Richter der Strafkammer, Matthias Schertz, in seiner mündlichen Urteilsbegründung. Die beiden Ärzte hatten den Sachverhalt eingeräumt, aber erklärt, davon ausgegangen zu sein, dass ihr Handeln rechtmäßig gewesen sei, weil das Mädchen sich noch im Mutterleib befunden habe, als sie die Injektion durchführten. Die Kammer folgte dieser Ausführung nicht. may

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