SUPPLEMENT: Perspektiven der Pneumologie & Allergologie

Tiffeneau-Index: Für COPD-Diagnose sinnvoll

Dtsch Arztebl 2019; 116(49): [37]; DOI: 10.3238/PersPneumo.2019.12.06.07

Meyer, Rüdiger

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Der diagnostische Wert des Tiffeneau-Index für Lungenobstruktionen konnte durch Daten von vier bevölkerungsbasierten Kohortenstudien bestätigt werden.

Foto: Science Photo Library K.H. Fung
Foto: Science Photo Library K.H. Fung

Ein Abfall des Tiffeneau-Index, des Verhältnisses von exspiratorischer Einsekundenkapazität (FEV1) zur forcierten Vitalkapazität (FVC), weist auf eine Obstruktion der Atemwege hin. Ein FEV1/FVC-Wert von unter 0,71 war in einer Analyse von 4 großen Kohortenstudien am besten geeignet, um bei Patienten mit Verdacht auf eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) eine drohende Hospitalisierung oder den Tod vorherzusagen.

Die COPD ist weltweit die dritthäufigste Todesursache, doch die Erkrankung ist diagnostisch nicht einfach zu fassen. Wie bei anderen Erkrankungen, etwa der Hypertonie oder dem Typ-2-Diabetes, ist es nicht einfach, den Grenzwert zu bestimmen, ab dem von einer Krankheit gesprochen werden sollte. Einen Hinweis kann hier die Analyse von Langzeitstudien geben, in denen untersucht wird, ab welchem Grenzwert es langfristig zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands durch die Störung kommt.

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Ein Team um Elizabeth Oelsner von der Columbia University in New York hat hierzu die Daten von 4 bevölkerungsbasierten Kohortenstudien ausgewertet: Die „Atherosclerosis Risk in Communities Study“, die „Cardiovascular Health Study“, die „Health, Aging, and Body Composition Study“ und die „Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis“ hatten in den Jahren 1987–2000 bei 24 207 Erwachsenen im Alter von durchschnittlich 63 Jahren unter anderem Lungenfunktionstests durchgeführt.

Über einen Zeitraum von 15 Jahren wurden 3 925 Studienteilnehmer aufgrund von Komplikationen einer COPD im Krankenhaus behandelt, darunter waren 447 Patienten mit letalem Verlauf.

Wie Oelsner ermittelte, nahm die Wahrscheinlichkeit von COPD-Hospitalisierungen und Todesfällen mit der Abnahme des FEV1/FVC-Werts zu. Auch Menschen mit einem Tiffeneau-Index (FEV1/FVC) von 0,80, den Pneumologen als normal ansehen, erkrankten später an einer COPD – wenn auch wesentlich seltener als Personen mit einem als kritisch betrachteten Tiffeneau-Index von 0,40. Andererseits gibt es auch Menschen, die trotz einer hochgradigen Bronchialobstruktion kaum Probleme haben.

Das Ziel der Untersuchung war, den Grenzwert zu finden, der die meisten Erkrankungen (Sensitivität) anzeigt, ohne dabei zu viele falsche Alarme (Spezifität) zu liefern. Dies war am Ende ein Tiffeneau-Index von 0,71. Die Sensitivität betrug 66 % und die Spezifität 79 %, was in der C-Statistik einen Wert von 0,696 ergibt. Die Treffsicherheit des Tiffeneau-Index ist deshalb begrenzt, und die Pneumologen werden sich bei der Diagnose immer auch auf andere Kennzeichen stützen.

Schwellenwert von 0,71 entspricht fast der Leitlinienempfehlung

Es gibt laut der Untersuchung jedoch keine bessere Alternative. Der LLN-Grenzwert („lower limit of normal“), die 5. Perzentile des FEV1/FVC, der sich in jeder Altersgruppe unterscheidet, erreichte in der C-Statistik einen Wert von 0,661. Die Differenz von 0,034 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,028–0,041 signifikant. Dies bedeutet, dass der Schwellenwert von 0,71 im Tiffeneau-Index für die Diagnostik besser geeignet ist.

Der Schwellenwert von 0,71 im Tiffeneau-Index stimmt übrigens fast genau mit den Empfehlungen in den Leitlinien überein. Diese raten in der Regel ab einem Schwellenwert von unter 0,70 zur COPD-Diagnose. Diese Empfehlungen beruhten allein auf der Einschätzung von Experten, die damit ein sehr gutes Gespür für die Erkrankung bewiesen haben.

DOI: 10.3238/PersPneumo.2019.12.06.07

Rüdiger Meyer

Quelle: Bhatt SP, Balte PP, Schwartz JE, et al.: Discriminative Accuracy of FEV1:FVC Thresholds for COPD-Related Hospitalization and Mortality. JAMA 2019; 321: 2438–47. doi:10.1001/jama.2019.7233.

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