ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2019Medizinische Versorgung: Vage Versprechungen
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Ich gebe mich zu erkennen als Kreisrat in der Ortenau seit drei Amtsperioden, also dem Landkreis von Herrn Scherer, den Sie interviewt haben. Außerdem bin ich einer der Ortenauer Leitenden Notärzte, und betroffen von der angedrohten Schließung aller Krankenhäuser. Dem Tenor und Aufbau Ihres Artikels widerspreche ich deswegen. Man könnte glauben, die Bürger von Kirn seien sentimental und uneinsichtig, während in der Ortenau an der „bestmöglichen“ medizinischen Versorgung gearbeitet wird. Dass dies nicht der Fall ist, und dass es hier einen ähnlichen Widerstand gab, nur erfolglos, darf nicht verschwiegen werden: Hier gab es ähnlich wie in Kirn Bürgerbegehren und Unterschriftensammlungen von zusammen mehr als 50 000 Bürgern – sie wurden nicht zur Kenntnis genommen. Eine deutliche Mehrheit der Niedergelassenen und der Notärzte sprach sich für den Erhalt aller Standorte aus. Ausschlaggebend für diese Bewertung sind die unverantwortlich langen Transportwege und die ländliche Struktur. Von den Ärzten waren allein einige Chefärzte, die von dem Kreis „lohn“-abhängig sind, mehrheitlich für die Krankenhausschließungen.

Eine echte Einbindung und Befragung der mehr als 200 000 Einwohner in den Städten Kehl, Oberkirch und Ettenheim fand nie statt. Ideen zu Nachnutzungskonzepten scheiterten zum Beispiel daran, dass die Niedergelassenen unmöglich neben ihrer Praxisarbeit auch noch Notdienstzentren anstelle der bisherigen Häuser mitversorgen können – eine Idee, die allein schon deswegen nicht geht, weil die KV-Satzung solche Zentren nur zusammen mit, aber nicht anstatt von Krankenhäusern erlaubt.

Was wir im Kreistag erlebten, war ein Durchpeitschen der Philosophie von den überflüssigen kleinen und den segensreichen großen Häusern, geködert von vagen Versprechungen, das Land würde den Löwenanteil der Umbaukosten tragen. ...

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Dr. med. Karlheinz Bayer, 77740 Bad Peterstal-Griesbach

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