ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2019Medizinische Versorgung: Nicht irritieren lassen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Man kann Lokalpolitikern und Einwohnern des Ortes Kirn nur zu ihrer Zivilcourage gratulieren, die verhindert hat, dass das kleine lokale Krankenhaus geschlossen wird ... .

Als Bewohner eines Landkreises und an einer etwas größeren kommunalen Klinik tätiger Arzt wünsche ich mir, sollte dereinst unsere Klinik oder Teile davon zur Disposition stehen, eine ebenso große Courage der Bevölkerung und der Lokalpolitik. ... Gesundheit lässt sich nicht ausschließlich in Heller und Pfennig bemessen, so als wäre sie eine Ware und ein Krankenhaus eine Fabrik, sondern dazu gehören auch Soft Skills: Wohnortnähe, Nähe der Angehörigen, Nähe des gewohnten sozialen Umfeldes, gerade für die älteren Mitbürger. ...

Ich kann nicht verstehen, wie in so einem reichen Land, in dem wir leben, kleine Krankenhäuser wegen vergleichsweise geringen Summen von einigen Millionen Euro geschlossen werden müssen, wo das Privatvermögen mancher Personen ausreichen würde, um diese Schieflage problemlos zu beseitigen. Andererseits werden Unsummen für zweifelhafte Projekte und Berater ausgegeben, ohne dass das irgendwelche Konsequenzen hätte, von der Zurückhaltung der Vergütung für erbrachte Leistungen durch die Krankenkassen will ich gar nicht sprechen.

Anzeige

Wahrscheinlich sind in den wenigsten Fällen kleine Krankenhäuser an ihrer wirtschaftlichen Misere selbst schuld, diese ist eher das Produkt einer ausufernden politischen Regulierungswut, die ihnen die Luft zum Atmen nimmt, und einer beängstigenden Monstrosität von Krankenkassen, MDK, KV und ähnlichen Institutionen, die Geld in Größenordnungen verbrauchen, um sich selbst zu verwalten, anstatt dies in die Patientenversorgung zu leiten.

Die Protagonisten der Abschaffung der kleinen Kliniken sollten sich einmal fragen, was es bedeutet, beispielsweise mit einer Schenkelhalsfraktur stundenlang durch die Gegend gekarrt zu werden, und ob sie dies ihren eigene Angehörigen auch zumuten würden. ...

Um nicht falsch verstanden zu werden: Große Kliniken sind mit ihren fachlichen und technischen Möglichkeiten unverzichtbarer Bestandteil unseres vielfältigen und sehr guten Gesundheitswesens und ich bin froh, im Zweifelsfall immer auf die Expertise mir gut bekannter Kollegen zurückgreifen zu können. ...

Es ist an der Zeit, für den Erhalt der kleinen Krankenhäuser seine Stimme zu erheben und sich nicht irritieren zu lassen von Gutachten, Expertenmeinungen, vermeintlich alles wissenden Kassen- und Standesvertretern und machtbesessenen und profilierungssüchtigen Politikern. …

Dr. med. Albrecht Rosenkranz, 04668 Parthenstein

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige