ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2019Überversorgung: Keine Chance
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Das Hauptproblem liegt bei der Politik und Lobbyisten. Die Politiker haben Angst, die Wahlen zu verlieren, die Lobbyisten beeinflussen unser Verhalten (vielleicht merken wir es nicht mal). So lange sprechende Medizin keinen Wert hat – absolut keinen, ich kann mit meinem Patienten zwei Minuten reden oder 15 Minuten, am Ende kommt dasselbe an Honorar raus –, haben wir keine Chance, die Überversorgung zu reduzieren. So lange apparative und operative Medizin einen hohen bis sehr hohen Wert haben, wird getestet und operiert. So lange der Anspruch der Patienten Tag für Tag steigt und durch niemanden, weder Politiker noch Ärztefunktionäre gedämpft wird, steigen die unnötigen Handlungen und Kosten.

Ein Beispiel aus meiner Praxis: Ein 82-jähriger Patient war in den letzten Wochen wegen Nasenbluten dreimal mit dem Rettungsdienst in meiner Praxis. Jede Fahrt kostet ca. 600-700 €. In der Praxis war die Blutung fast wieder spontan geheilt. Müsste dieser Herr zehn Prozent (also 70 €) der Kosten übernehmen, würde er zehnmal überlegen, ob er nicht doch den Sohn, der im selben Haus wohnt, oder ein Taxi anruft, ca. 15 €. Solche und ähnliche Erfahrungen machen wir mehrmals pro Tag.

Dr. med. Mohammed Rezai, 59174 Kamen

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