ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2019Digitalisierung: Nicht blindlinks folgen
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Trotz Fragen zu Datenschutz und zu oft erfolgten Parallelanschlüssen an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) mahnt Herr Schmedt an, die Digitalisierung nicht generell zu verteufeln. Darum geht es Skeptikern wie mir auch nicht. Allerdings erscheint es mir auch nicht sinnvoll, Digitalisierung als Selbstzweck zu betreiben und dann immer den Vergleich mit Google zu ziehen. Es wäre Aufgabe der Politik, übermächtig werdende Internetkonzerne durch Regelungen zu begrenzen und nicht deren Prinzip der Daten-Sammelwut zu übernehmen und damit eben nun andere Konzerne zu fördern wie Bertelsmann über die Tochter Arvato, wie IBM oder die CompuGroup Medical.

Bei Digitalisierung ist zu differenzieren: Es gibt gute Tools und Apps für Diagnostik und Therapie, für die aber erst nach Nachweis ihres Nutzens eine Kostenerstattung erfolgen sollte, sonst sieht es – wie im Moment – doch sehr nach Industriepolitik aus. Und dann gibt es den weiten Bereich der Datenspeicherung und -kommunikation, der sehr sensibel angegangen werden sollte, zudem auch je nach Bedarf, somit freiwillig! Viele Kollegen aus den „Psycho“-Fächern brauchen keine sicheren Verbindungen zu Kollegen, ebenso keine elektronische Patientenakte (ePA). Andere wiederum wünschen sich zur Übermittlung von Blutwerten oder für andere Zwecke gesicherte Verbindungen zu Kollegen (wäre möglich über KV Connect, TI unnötig dafür) sowie zu Patienten. Auch muss die Wirtschaftlichkeit gewahrt bleiben. Die drei bis vier Milliarden Euro an bisherigen Kosten für die TI wären zur Behebung des Pflegenotstandes besser investiert gewesen. Das steht in keinem Verhältnis zum Ergebnis, zumal Medikationsplan und Notfalldaten eh auf der Karte selbst gespeichert werden sollen und von Röntgen- und Kernspinbildern nur PDF-Dateien in der ePA gespeichert werden können. Also ist auch der gesundheitliche Nutzen fragwürdig. ...

Kurz nur sei erwähnt (wenn schon angemessener Weise der Klimawandel als Thema für den Ärztetag 2020 angesetzt und ein Beitrag zu diesem Thema auch im selben Heft zu finden ist), dass das Internet, wäre es ein Land, vor vier Jahren noch an sechster Stelle beim Energieverbrauch weltweit gewesen wäre; mittlerweile steht es schon auf Platz 3! Von daher: Digitalisierung verteufeln hilft nicht – ihr blindlings folgen jedoch ebenso nicht.

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Dr. med. Andreas Meißner, 81541 München

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