ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2019Allogene Stammzelltransplantation: Nicht rezidivbedingte Sterblichkeit ist vor allem bei alternativen Spendern gesunken

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Allogene Stammzelltransplantation: Nicht rezidivbedingte Sterblichkeit ist vor allem bei alternativen Spendern gesunken

Dtsch Arztebl 2019; 116(49): A-2308 / B-1892 / C-1838

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: picture alliance/Phanie
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Allogene Stammzelltransplantationen haben für krebskranke Empfänger im Vergleich zu autologen den Vorteil, dass sie Graft-versus-Tumor-Effekte hervorrufen können und damit die Rezidivwahrscheinlichkeit verringern. Zu den prognoseverschlechternden Risiken gehören schwere Graft-versus-Host-Reaktionen. Aus dem Register der European Society for Blood and Marrow Transplantation sind bei Patienten mit malignen Blut-erkrankungen die Ergebnisse erster allogener Stammzelltransplantationen für verschiedene Spendergruppen im Zeitverlauf analysiert worden.

106 188 Empfänger allogener Transplantate sind eingeschlossen worden. Die 1. Phase der Untersuchungsperiode umfasste die Jahre 2001–2005, die 2. Phase die Jahre 2006–2010, und die 3. Phase 2011– 2015. Das mediane Follow-up nach Transplantation betrug 4,1 Jahre (1,7–7,7 Jahre). Das Gesamtüberleben verbesserte sich zwischen der 2. und 3. Epoche in allen Spendergruppen, und zwar von 54,0 auf
54,6 % nach 3 Jahren bei HLA-identischen Geschwistern, von 49,1 auf 51,6 % nach 3 Jahren bei gut HLA-kompatiblen unverwandten Spendern (≥ 9/10 Matches), von 34,5 auf 44,2 % bei haploidentischen Familienspendern, von 36,3 auf 43,7 % bei Nabelschnurblut und von 37,4 auf 41,3 % bei unverwandten Spendern mit mehreren HLA-Mismatches.

Fazit: Das Gesamtüberleben von Blutkrebspatienten nach allogener Stammzelltransplantation hat sich in Europa in den letzten Jahren verbessert. Die Überlebenschancen der Stammzellempfänger waren am besten, wenn es ein HLA-identisches Geschwister gab. Bei Hoch-Risiko-Erkrankungen allerdings ließen sich mit gut HLA-kompatiblen Fremdspendern ähnliche Gesamtüberlebensraten erzielen. Die größten Fortschritte gab es bei den Alternativen: haploidentischen Spenden und Nabelschnurblut. Vor allem die nicht durch Rezidive verursachte Sterblichkeit wurde reduziert. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Shouval R, Fein JA, et al.: Outcomes of allogeneic haematopoietic stem cell transplantation from HLA-matched and alternative donors: a European Society for Blood and Marrow Transplantation registry retrospective analysis. Lancet Hematology 2019; https://doi.org/10.1016/S2352–3026(19)30158–9.

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