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Kurz informiert

Dtsch Arztebl 2019; 116(49): A-2310

nec; PM; ys

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Methotrexat bei Autoimmunerkrankungen richtig dosieren – Zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen wird Methotrexat 1-mal wöchentlich angewendet. Wird es bei Autoimmunerkrankungen fälschlicherweise täglich angewendet, können Dosierungsfehler mit potenziell tödlichen Folgen resultieren. In einem Rote-Hand-Brief wird deshalb darauf hingewiesen, dass Methotrexat nur von Ärzten verschrieben werden sollte, die Erfahrung im Umgang mit Methotrexat-haltigen Arzneimitteln haben.

Bei der Anwendung von Methotrexat bei Autoimmunerkrankungen sollten Patienten und Pflegekräfte nachdrücklich über die wöchentliche Dosierung aufgeklärt und bei jeder neuen Verordnung beziehungsweise Abgabe sollte geprüft werden, ob der Patient oder die Pflegekraft dies verstanden hat. Patienten und Pflegekräfte sollen darüber hinaus über Anzeichen einer Überdosierung aufgeklärt und angewiesen werden, sich bei entsprechenden Anzeichen umgehend ärztlich vorzustellen.

Der Warnung liegt zugrunde, dass trotz existierender Maßnahmen zur Risikominderung weiterhin Fälle einer täglichen anstatt wöchentlichen Anwendung gemeldet werden. Nach einer europäischen Risikoüberprüfung werden daher weitere Maßnahmen zur Vermeidung von Dosierungsfehlern eingeführt: Warnhinweise auf der äußeren und inneren Verpackung, die Umstellung auf Blisterpackungen in den nächsten Jahren und die Bereitstellung von Schulungsmaterial. nec

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Quelle: Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) Drug Safety Mail 2019-65

SGLT2-Inhibitoren vor Hospitalisierung absetzen – Die Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft weist anlässlich aktueller Fallberichte erneut darauf hin, dass die Behandlung von Typ-2-Diabetes mit SGLT2-Inhibitoren (Dapagliflozin, Empagliflozin und Ertugliflozin als Mono- oder Kombinationspräparate) unterbrochen werden soll, wenn Patienten aufgrund eines größeren chirurgischen Eingriffs oder einer akuten schweren Erkrankung hospitalisiert werden. Hintergrund sind seltene Fälle diabetischer Ketoazidosen, die unter Behandlung mit SGLT2-Inhibitoren auftreten können.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat darüber hinaus empfohlen, den Warnhinweis in der Fachinformation zu ergänzen: Zukünftig soll die Behandlung bei diesen Patienten nicht nur unterbrochen, sondern auch die Ketonkörperkonzentration (vorzugsweise im Blut) überwacht werden. Die Behandlung kann wieder aufgenommen werden, wenn die Ketonkörperkonzentration normal ist und sich der Zustand des Patienten stabilisiert hat. nec

Quelle: Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) Drug Safety Mail 2019-64

Indikationen und Voraussetzungen für Therapie mit Cannabis – Seit dem 10. März 2017 ist Cannabis auf Antrag bei den Krankenkassen erstattungsfähig. Konkrete Indikationen wurden nicht festgelegt, gleichwohl Voraussetzungen für eine Verordnungsfähigkeit: das Vorliegen einer schwerwiegenden Erkrankung, fehlende Alternativtherapien und das Bestehen einer nicht ganz entfernt liegenden Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder schwerwiegende Symptome.

Nach einer ersten Zwischenauswertung der genehmigten Anträge bis 1. Februar 2019 wurden am häufigsten Schmerzen (69 %), Spastik (11 %) und Anorexie/Wasting (8 %) als primär therapierte Symptomatik genannt (Bundesgesundheitsbl 2019; 62: 845–54). Am häufigsten würden Anträge auf Kostenübernahme mit dem Verweis auf Therapiealternativen abgelehnt, berichtete Isabel Kuhlen, Rechtsanwältin und Apothekerin aus Vellmar. Das LSG Rheinland-Pfalz (Az.: L 5 KR 125/18) hat entschieden, dass für eine „nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung“ kein Wirksamkeitsnachweis nach den Maßstäben evidenzbasierter Medizin verlangt wird. Demnach genügen Indizien, die sich auch außerhalb von Studien oder vergleichbaren Erkenntnisquellen oder Leitlinien finden könnten. Allerdings würden „allein positive Erfahrungen des Versicherten aufgrund eines schon erfolgten Einsatzes von Medizinal-Cannabis“ nicht ausreichen. ys

Quelle: Satellitensymposium „Therapie mit Cannabinoiden – Indikationen jenseits der MS“, Berlin, 26. September 2019; Veranstalter: Bionorica ethics

Larotrectinib bei Tumoren mit NTRK-Genfusion – Mit Vitrakvi® (Larotrectinib, Bayer) wurde im September 2019 in der EU das erste onkologische Medikament mit einer tumorunabhängigen Indikation zugelassen. Nicht die Tumorlokalisation, sondern der Nachweis einer Neurothrophen Tyrosin-Rezeptor-Kinase-(NTRK-)Genfusion, ist Voraussetzung für den Einsatz von Larotrectinib, erläuterte Prof. Dr. Jesús Garcia-Foncillas, Madrid.

Larotrectinib wurde speziell für TRK-(Tropomycin-Rezeptor-Kinase-)Fusionstumore entwickelt. Die europäische Zulassung basiert auf gepoolten Daten von 93 Tumorpatienten mit TRK-Fusionstumor unterschiedlicher Lokalisation sowie weiteren 9 Patienten mit einem Primärtumor im ZNS. Unabhängig vom Alter der Patienten und der Tumorlokalisation zeigte sich bei etwa 70 % der Patienten ein schnelles, ausgeprägtes und auch dauerhaftes Ansprechen, darunter auch komplette Tumorrückbildungen, erläuterte García-Foncillas.

Ein Jahr nach Therapiebeginn waren noch 88 % der Patienten aus der primären Population am Leben. Die Behandlung sei insgesamt gut verträglich. Nur 3 % mussten die Behandlung wegen Nebenwirkungen abbrechen. Mit Larotrectinob beginne eine neue Ära der onkologischen Behandlung, so García-Foncillas. pm

Quelle: Media Briefing „Science for a Better Life: Combining Patient Understanding with Scientific Innovation“, Barcelona, 27.September 2019; Veranstalter: Bayer

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