ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2019Hepatozelluläres Karzinom: Ramucirumab bei Leberkrebs

PHARMA

Hepatozelluläres Karzinom: Ramucirumab bei Leberkrebs

Dtsch Arztebl 2019; 116(49): A-2309

König, Romy

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Der monoklonale Antikörper ist jetzt auch zur Monotherapie des fortgeschrittenen oder inoperablen hepatozellulären Karzinoms (HCC) zugelassen. Die vergleichsweise gute Verträglichkeit kommt laut Expertenmeinung den besonders vulnerablen Leberkrebspatienten zugute.

Für vortherapierte Patienten mit fortgeschrittenem Leberzellkarzinom (HCC) steht jetzt der monoklonale Antikörper Ramucirumab zur Verfügung. Ärzte betonten auf einer Veranstaltung das gute Nebenwirkungsprofil der Substanz und warnten davor, das nur kurze Einsatzfenster für die Therapie nicht zu verpassen.

Erwachsene Patienten mit fortgeschrittenem oder inoperablem hepatozellulärem Karzinom (HCC), die ein Serum-Alpha-Fetoprotein (AFP) von ≥ 400 ng/ml aufweisen und zuvor mit Sorafenib behandelt wurden, können nun Ramucirumab als Monotherapie erhalten. Die Zulassung für diese Zweitlinienbehandlung erfolte im August.

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Der Wirkstoff ist altbekannt

Ramucirumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der die Aktivierung des Rezeptors VEGFR-2 – eines zentralen Mediators der Angiogenese – hemmt. Der Wirkstoff sei ein „alter Bekannter“, sagte Prof. Dr. Arndt Vogel, Gastroenterologe an der Medizinischen Hochschule Hannover, auf einer Veranstaltung des Pharmaherstellers Lilly. Denn die Substanz sei seit einigen Jahren unter anderem zur Zweitlinientherapie des Adenokarzinoms des Magens und des metastasierten Kolorektalkarzinoms im Einsatz. „Wir haben schon gute Erfahrungen damit gemacht, kennen die Toxizität und das Nebenwirkungsprofil, was in der HCC-Behandlung von Vorteil sein kann.“

Der Zulassungserweiterung des Wirkstoffs auf HCC liegen 2 sehr ähnliche, randomisierte und placebokontrollierte Phase-III-Studien zugrunde, die eine Überlebensverlängerung nachwiesen. In der
REACH-Studie wurden Patienten unabhängig von ihrem AFP-Status geprüft, in der REACH-2-Studie schließlich nur solche mit einem AFP-Wert von ≥ 400 gn/ml eingeschlossen. Diese hatten laut Subgruppenanalyse der REACH-Studie am meisten von dem Wirkstoff profitiert. In einer Metaanalyse über beide Studien zeigte sich ein medianer Überlebensvorteil durch Ramucirumab von 3,1 Monaten (OS HR: 0.694 [0.571, 0.842]; p=0.0002; 8,1 Monate im Ramucirumab-Arm versus 5,0 Monate im Kontroll-Arm), wie Vogel ausführte. Auch in den sekundären Endpunkten progressionsfreies Überleben und Gesamtansprechen habe sich eine klinische Wirksamkeit gezeigt.

Der Wirkstoff erlaube eine Biomarkerselektion durch die Konzentration auf einen Patientenkreis mit hohem AFP und sei damit, so Vogel, „ein erster Schritt zur personalisierten Medizin: Wir können so jene Patienten selektieren, die wirklich einen Benefit davon haben.“

Als vorteilhaft hoben Vogel und sein Kollege Prof. Dr. Peter R. Galle von der Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mainz das Nebenwirkungsprofil hervor: Während andere Substanzen der HCC-Systemtherapie bei Patienten Diarrhö oder Hautprobleme auslösten, traten unter Ramucirumab lediglich Hypertonie und Proteinurie auf. Diese vergleichsweise gute Verträglichkeit sei gerade in der Anwendung bei Leberpatienten wichtig, da diese Menschen „besonders vulnerabel“ seien, so Galle.

Galle erinnerte daran, dass Leberkrebs zu einer der häufigsten Krebsarten zählt. Allein in Deutschland wurden 2014 etwa 9 100 Neudiagnosen gezählt. Unterschätzt werde jedoch nicht nur die Häufigkeit der Tumorform, sondern auch dessen Mortalität. 2018 seien weltweit 781 631 Menschen an einem Leberkarzinom gestorben; hierzulande stehe der Leberkrebs mit einem Anteil von 4,3 % (Männer) an allen Krebssterbefällen an 6. Stelle (Frauen: 2,4 %, 11. Platz). Systemtherapien stünden für diese Krebsart, die meist mit weiteren Erkrankungen wie Hepatitis oder Leberzirrhose einhergehe, erst seit wenigen Jahren zur Verfügung. Zuvor behandelte man den Tumor mit lokoregionalen Therapien wie etwa der TACE (transarterial chemoembolization) oder der SIRT (Selektive Interne Radiotherapie).

Window of Opportunity ist kurz

Noch immer stellten diese lokalen Therapien eine Konkurrenz zur Systemtherapie dar – was fatal sei, so Galle: „Sie behindern die Systemtherapie nicht nur parallel, sondern auch in der Sequenz, da viele Patienten nach TACE nicht mehr für eine Systemtherapie geeignet sind.“ Tatsächlich verschlechtere sich die Leberfunktion bei HCC-Patienten sowohl durch die Therapie als auch durch die Progression der Tumorerkrankung, sagte Vogel.

So entstehe lediglich ein kleines „Window of Opportunity“, in welchem Systemtherapien in Betracht kommen. „Es öffnet sich dann, wenn die Patienten fortschreiten oder auf TACE nicht gut ansprechen. Und es schließt sich, wenn die Patienten einen Progress in der Erstlinie und eine schlechte Leberfunktion haben.“ Aus Studien wüsste er, dass nur 30–40 % der Patienten eine weitere Therapie nach der 1. oder 2. Linie erhalten könnten. Romy König

Quelle: Presseveranstaltung Lilly, 21. August 2019, Bad Homburg

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