ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2000Ärzteumfrage zu neuen Medien: Gemischte Gefühle

POLITIK: Aktuell

Ärzteumfrage zu neuen Medien: Gemischte Gefühle

Dtsch Arztebl 2000; 97(6): A-299 / B-238 / C-225

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Das Internet wird Selbstbild und Tätigkeit des Arztes stark verändern. Davon ist die Mehrzahl der Ärzte überzeugt, auch wenn sie das Netz zurzeit noch zurückhaltend nutzt.


Mehr als die Hälfte (rund 53 Prozent) der Ärzte erwartet, dass sich das Internet zum wichtigsten Informationsmedium im Gesundheitswesen entwickeln wird. Mit großen Kosteneinsparungen im Gesundheitssystem durch die zunehmende Vernetzung rechnet hingegen nur eine Minderheit, nämlich rund 36 Prozent der Ärzte. Dies sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von niedergelassenen und im Krankenhaus tätigen Ärzten, die im Auftrag des Deutschen Ärzteblattes von Gemini Consulting im Oktober 1999 durchgeführt wurde. Dabei kamen 1 685 von 5 000 verschickten Fragebogen - 34 Prozent - in die Endauswertung. Im Mittelpunkt der Studie standen Akzeptanz und Nutzung der neuen Medien und insbesondere des Internets bei den Ärzten. Untersucht wurden auch mögliche Auswirkungen auf die ärztliche Kommunikation und auf das Arzt-PatientenVerhältnis.
Deutliche Unterschiede zwischen niedergelassenen Ärzten und Klinikern lassen sich sowohl in der Technikausstattung (Internet-Zugang) als auch im Umgang mit neuen Technologien und Medien ausmachen. So verfügen bereits 70 Prozent der Krankenhausärzte entweder beruflich, privat oder sogar an beiden Orten über einen Internet-Zugang, während diese Voraussetzung nur bei knapp der Hälfte der niedergelassenen Ärzte vorliegt. Noch wenig "Power-User"
Elf Prozent der Ärzte haben bereits eine eigene Homepage. Viel Zeit wird dem Internet aber noch nicht geopfert. So verbringen gerade zwei Prozent der Ärzte mehr als 20 Stunden monatlich im Netz. Rund 18 Prozent der Ärzte surfen im Schnitt fünf bis zehn Stunden (Niedergelassene 12 Prozent, Kliniker 23 Prozent), knapp ein Drittel der Ärzte weniger als fünf Stunden (Niedergelassene 28 Prozent, Kliniker 35 Prozent). Traditionelle Medien behaupten sich
Vor diesem Hintergrund überrascht es kaum, dass an erster Stelle der bevorzugten Informationsquellen im beruflichen Alltag nach wie vor Fachzeitschriften (90 Prozent) stehen, gefolgt von Fachbüchern (79 Prozent) und Gesprächen mit Kollegen (72 Prozent). Nur ein Fünftel der Befragten nutzt das Internet und Online-Dienste "häufig" bis "sehr oft" als Informationsmedium - darunter weitaus mehr Krankenhausärzte als niedergelassene Ärzte (28 Prozent gegenüber 13 Prozent). Als echtes Kommunikationswerkzeug muss der Computer im ambulanten Bereich erst noch entdeckt werden: Lediglich 13 Prozent der Ärzte kommunizieren per E-Mail (Addition der Werte "sehr oft" bis "häufig"). Hier übernimmt der Computer vorrangig verwaltungstechnische Aufgaben, beispielsweise die Übertragung von Abrechnungsdaten (48 Prozent) und Labordaten (29 Prozent) und das Homebanking (23 Prozent). Bei Krankenhausärzten hingegen steht die Recherche nach wissenschaftlichen Informationen (34 Prozent) obenan, gefolgt von E-Mail-Kommunikation (28 Prozent) und der Suche nach Beiträgen in Fachzeitschriften (27 Prozent). Mehr als ein Viertel der Ärzte hat schon auf Web-Angebote von Pharmafirmen zurückgegriffen und dort nach Produktinformationen (23 Prozent), nach neuen medizinischen Erkenntnissen (18 Prozent) und nach Informationen über Befunde und Therapien (16 Prozent) gesucht. Die Ärzte erwarten nicht nur Verbesserungen durch die neuen Technologien. Abgesehen von der Skepsis gegenüber kostensenkenden Effekten, lassen die ermittelten Werte auch Vorbehalte erkennen, die sich auf die ärztliche Tätigkeit beziehen: So glauben 42 Prozent der Ärzte, dass durch die Informationstechnologie die Gefahr schematischer Diagnose- und Therapievorschläge zunehmen wird. Mehr als 70 Prozent sind nicht davon überzeugt, dass durch die größere Informationsverbreitung im Internet das Patienten-Arzt-Verhältnis erleichtert wird. Heike Krüger-Brand


Veränderungen durch Informationstechnologie (Angaben in Prozent)


Literaturrecherchen, z. B. Suche nach Fachveröffentlichungen, werden erleichtert.


Das Internet wird als Vertriebskanal für Produkte und Dienstleistungen an Bedeutung gewinnen.


Abruf von Präparateinformationen wird einfacher und schneller.


Organisation und Abrechnung werden erleichtert.


Marktüberblick über medizintechnische Geräte und Dienstleistungen wird transparenter.


Patienten werden verstärkt bestimmte Medikamente/
Therapien anfordern.


Internet-Apotheken ermöglichen den Direktvertrieb von Arzneimitteln an Kliniken, Praxisnetze und Apotheken.

Das Internet wird wichtigstes Informationsmedium.

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