ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2019Forensische Psychiatrie: Vor schwerem Schaden bewahrt
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Bei der Gelegenheit grundsätzlicher Betrachtungen zur forensischen Psychiatrie kamen Prof. J. Müller und das Deutsche Ärzteblatt auch auf den Fall Mollath zu sprechen, bevor er den Kollegen vielleicht ganz aus dem Gedächtnis schwindet. Müller schrieb: „Spätestens seit der öffentlichkeitswirksam diskutierten Freilassung des Gustl Mollath, eines Untergebrachten, der nicht an Behandlung und Begutachtung mitwirkte und bei unterstellter erheblicher psychiatrischer Störung und hiermit begründeter Gefährlichkeit mehrere Jahre verwahrt wurde, stehen nicht nur der Schutz der Allgemeinheit, sondern auch die Rechte des Täters im Fokus.“ Müller versuchte besagten Schutz gegen besagte Rechte auszuspielen. Am Fall Mollath waren etliche seiner Kollegen, mehrheitlich „Professoren für Forensische Psychiatrie“, beteiligt. Seit vielen Jahren versuchen sie, diese zu einem eigenen Fachgebiet und damit ihrem „closed shop“ zu machen. Der Deutsche Ärztetag hat ihnen den Wunsch bisher versagt. Die Rechtspflege im Land hat er damit vor schwerem Schaden bewahrt. Noch kann jeder fähige und beherzte Psychiater falschen Beurteilungen auch von Superspezialisten hoher Titel entgegentreten, wie der Autor dieser Zeilen es im Fall Mollath mit einem Gegengutachten tat. Gegen viele Winkelzüge Interessierter konnte er, letztlich vom Bundesverfassungsgericht bestärkt, eine falsch „unterstellte erhebliche psychiatrische Störung und hiermit begründete Gefährlichkeit“ entkräften und dem Betroffenen, keinem Heiligen, so nach siebeneinhalbjähriger, bis 2013, nicht 2011, währender Zwangsinternierung wieder zur Freiheit verhelfen. Wie in Klinik und Praxis gibt es nämlich auch vor Gericht nur ein und die gleiche Psychiatrie.

Dr. med. Friedrich Weinberger, 82467 Garmisch-Partenkirchen

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