ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2019Psychotherapie und Gesellschaft: Politik als Thema

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Psychotherapie und Gesellschaft: Politik als Thema

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Die aktuelle Politik kann Thema in einer Psychotherapie sein. Ein Beispiel hierfür geben New Yorker Psychologen. Sie befragten 268 US-amerikanische Psychotherapeuten und 256 Patienten, wie die aktuelle Politik (die Trump-Regierung) in psychotherapeutische Sitzungen hineinspielt und welche Auswirkungen sie auf das Befinden und das Arbeitsbündnis hat. Unter den Patienten waren 77 % Clinton-Anhänger und 9 % Trump-Anhänger, während sich 62 % der Therapeuten als Demokraten und 2 % als Republikaner bezeichneten. 87 %t der Therapeuten berichteten, dass sie mit ihren Patienten über Politik sprachen. 63 % der Therapeuten und 73 % der Patienten gaben ihrem Gegenüber ihre politische Orientierung bekannt. Wenn Therapeuten feststellten, dass ein Patient ähnliche politische Ansichten wie sie selbst hatte, offenbarten sie ihm gegenüber eher ihre politische Haltung und bezeichneten die therapeutische Beziehung als enger. Therapeuten, die Clinton-Anhänger waren, stellten seit den Wahlen von Trump zum Präsidenten einen erhöhten Diskussionsbedarf in den therapeutischen Sitzungen und mehr negative Emotionen wie Verärgerung, Empörung oder Sorgen bei ihren Patienten und sich selbst fest. Bei Trump-Anhängern war das Gegenteil zu beobachten. „Viele Therapeuten werden beruflich und persönlich von der politischen Lage beeinflusst“, so die Autoren. Sie raten Therapeuten dazu, sich diesen Einfluss bewusst zu machen und sich damit auseinanderzusetzen, wie er sich auf die therapeutische Beziehung auswirkt. ms

Solomonov N, Barber JP: Conducting psychotherapy in the Trump era. Journal of Clinical Psychology 2019; 75 (9): 1508–18.

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