ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2019Ärztegesundheit: Hohe psychische Belastungen

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Ärztegesundheit: Hohe psychische Belastungen

PP 18, Ausgabe Dezember 2019, Seite 558

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Burn-out, Depressionen, Angststörungen und Suizidalität treten bei Ärzten und angehenden Ärzten in Deutschland häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Zudem weist fast jeder vierte Arzt einen gefährlichen Alkoholkonsum auf. Verantwortlich hierfür sind Belastungen durch berufsspezifische Arbeitsbedingungen (zum Beispiel lange, oft ungeregelte Arbeitszeit und Schichtdienste, Zeitdruck, hohes Maß an Verantwortung, Übermaß an Bürokratie, mangelnde Anerkennung), Arzt-Patienten-Beziehungen (insbesondere durch hohe Patientenerwartungen) und Probleme bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wissenschaftlerinnen um PD Dr. med. Petra Beschoner, Fachärztin für Psychosomatische Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm, berichten, dass auch Gratifikationskrisen zu psychischen Erkrankungen bei Ärzten beitragen. Ein erheblicher Teil der beruflichen Belastungen resultiert aus zeitlichen Anforderungen, die unter anderem in der Zunahme an Verwaltungsaufgaben, nichtärztlichen Tätigkeiten und ökonomischen Zwängen gründen sowie darin, dass immer mehr (hauptsächlich weibliche) Ärzte in Teilzeit arbeiten oder ganz aus der Patientenversorgung aussteigen, was zu einer Mehrbelastung der kurativ tätigen Ärzte führt.

„Die Prävention psychischer Belastungen sollte institutionelle und individuelle Maßnahmen beinhalten“, so die Autorinnen. Institutionelle Interventionen umfassen zum Beispiel die Neustrukturierung des Arbeitsplatzes, Veränderungen in der Arbeitsorganisation, kürzere Arbeitszeiten, eine verbesserte Kommunikation sowie Unterstützung und Feedback. Auf individueller Ebene können zum Beispiel achtsamkeitsbasierte und kognitiv-behaviorale Techniken oder Coaching präventiv wirken. Da die Effekte institutioneller Interventionen größer sind als die Effekte individueller Interventionen, sollte vor allem bei der Struktur und Organisation der Arbeitsplätze und -bedingungen angesetzt werden.

Im Fall eines Behandlungbedarfs stehen in Deutschland spezielle, auf Ärzte zugeschnittene stationäre Therapieeinrichtungen zur Verfügung. Außerdem bieten einige Lan­des­ärz­te­kam­mern Interventionsprogramme bei Substanzmissbrauch speziell für Ärzte an und es existieren überregionale Selbsthilfegruppen für abhängige Ärzte. ms

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Beschoner P, Limbrecht-Ecklundt K, Jerg-Bretzke L: Psychische Gesundheit von Ärzten. Nervenarzt 2019; 90 (9): 961–74.

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