ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2000Parodontitis marginalis und kardiovaskuläre Erkrankungen: Autovakzine-Therapie

MEDIZIN: Diskussion

Parodontitis marginalis und kardiovaskuläre Erkrankungen: Autovakzine-Therapie

Dtsch Arztebl 2000; 97(6): A-323 / B-273 / C-255

Thrull, Ralf H.

Zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. dent. Thomas Kocher Priv.-Doz. Dr. med. Bernd Griewing Dr. med. habil. Wolfgang Lösche in Heft 42/1999
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LNSLNS Die Therapie der Gingivitis (häufig präkursorische Erkrankung der Parodontitis) und der Parodontitis sui generis ruht im Wesentlichen auf drei Prinzipien: Mundhygiene, Antibiotika/Chemotherapeutika und Chirurgie. Die vierte Säule könnte eine Vakzine-Therapie sein, die auf individuell anzüchtbaren Bakterien basiert. Meine ersten Erfahrungen habe ich mit Bakterien der Streptococcus-viridans-Gruppe und Neisseria haemolysans gemacht. Aus diesen bei Parodontitis beziehungsweise Gingivitis angezüchteten Bakterien, die üblicherweise als fakultativ pathogen eingeschätzt werden, habe ich Suspensionen schonend abgetöteter Keime unterschiedlicher Konzentration hergestellt. Diese sterilen Autovakzine habe ich sodann verteilt über einen Zeitraum von zirka sechs Monaten in steigenden Dosierungen und Impfabständen zunächst im Selbstversuch und dann am Patienten parenteral angewandt. Die Erfolge sind verblüffend.
Ermutigt durch diese ersten Ergebnisse der "homologen" Autovakzine-Therapie habe ich mit Erfolg folgende Krankheitsbilder behandelt: Schwere Acne vulgaris, Furunkulose, chronisch-rezidivierende Diarrhöen und Harnwegsinfekte, letztere auch bei querschnittsgelähmten Patienten. Obwohl ich alle Patienten auf mögliche Nebenwirkungen, nämlich Temperaturanstieg, stärkere lokale oder allgemeine Reaktionen aufmerksam gemacht hatte, habe ich bei über 100 Patienten keine erlebt.
Ähnliche Therapien wurden bereits vor 20 Jahren bei Patienten durchgeführt, bei denen infizierte Endoprothesen gewechselt werden mussten. Es würde mich sehr freuen, wenn dieses sehr alte therapeutische Prinzip, das durch die Antibiotika-Ära leider in Vergessenheit geraten ist, wieder gesellschaftsfähig würde.


Dr. med. Ralf H. Thrull
Arzt für Laboratoriumsmedizin
Lise-Meitner-Straße 21
25524 Itzehoe
E-Mail: rthrull@t-online.de

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