ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2019Diagnostik bei chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen: Der Tiffeneau-Wert wird als Prädiktor für eine Verschlechterung der COPD bestätigt

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Diagnostik bei chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen: Der Tiffeneau-Wert wird als Prädiktor für eine Verschlechterung der COPD bestätigt

Dtsch Arztebl 2019; 116(51-52): A-2403 / B-1974 / C-1914

Vetter, Christine

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Foto: mauritius images
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Die Diagnose einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ist entsprechend der aktuellen Leitlinien zu stellen, wenn eine Behinderung des Atemflusses vorliegt mit einem Verhältnis der Einsekundenkapazität (FEV1) zur forcierter Vitalkapazität (FEV) unter einem fixen Schwellenwert von 0,70. Dieser Schwellenwert basiert allerdings auf Expertenmeinungen und ist immer wieder Gegenstand kontrovers geführter Diskussionen.

Inwieweit die Spirometriekriterien tatsächlich eine klinisch relevante COPD diskriminieren können und welche Bedeutung der fixe Schwellenwert von 0,7 im Hinblick auf eine COPD-assoziierte Hospitalisierung und auch Mortalität besitzt, haben US-amerikanische Wissenschaftler anhand einer gepoolten Kohortenstudie untersucht.

In die Studie eingeschlossen waren mehr als 24 000 Erwachsene im mittleren Alter von 62 Jahren unterschiedlicher ethnischer Herkunft. Endpunkt der Studie war die Rate COPD-assoziierter Komplikationen (Hospitalisation und Mortalität) über einen mittleren Beobachtungszeitraum von 15 Jahren in Abhängigkeit von einem fixen FEV1/ FVC-Schwellenwert zwischen 0,75 und 0,65 oder weniger als der unteren Grenze (Less than Lower Limit of Normal; LLN).

Während des Beobachtungszeitraums von mehr als 340 000 Patientenjahren kam es bei 3 563 Teilnehmern zu einer COPD-assoziierten Klinikaufnahme. Als optimaler fixer Schwellenwert ergab sich dabei ein Wert von 0,71, allerdings war der Unterschied zu 0,70 nicht signifikant (Δ 0,001; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [– 0,002; 0,004]). Der Schwellenwert von 0,70 war dabei genauer als die LLN-Schwelle (Δ 0,034; [0,028; 0,041]).

Fazit: Die Studie belegt die praktische Relevanz des FEV1/FVC (Tiffeneau)Wertes von 0,70 als Prädiktor für eine COPD-Verschlechterung, definiert über das ab < 0,70 erhöhte Hospitalisierungs- und Sterberisiko, kommentiert Prof. Dr. med. Adrian Gillissen, Kreiskliniken Reutlingen/Ermstalklinik, Medizinische Klinik III, das Studienresultat. Allerdings sei bei der praktischen Anwendung dieses Prädiktors zu berücksichtigen, dass in der Studie nur mit präbronchodilatatorischen Werten gearbeitet worden sei, dass Medikamenteneffekte unberücksichtigt blieben und dass es sich um eine statistische Datenbankanalyse und nicht um eine prospektive Studie handelte. Ungeachtet dessen verdeutlicht die Studie, so Gillissen, die prognostische Bedeutung des in den COPD-Leitlinien angegebenen Lungenfunktionsgrenzwertes in der Diagnostik der COPD. Christine Vetter

Bhatt PJ, Balte PP, Schwartz JE, et al.: Discriminative accuracy of FEV1: FVC thresholds for COPD-related hospitalization and mortality. JAMA 2019; 321: 2438–47.

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