ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2000Börsebius zu Aktienanleihen (II): Umsonst ist gar nichts

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu Aktienanleihen (II): Umsonst ist gar nichts

Dtsch Arztebl 2000; 97(6): [72]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Leiht dir jemand Geld und will dafür Zinsen über der Zehnprozentmarke zahlen, dann ist nach aller Lesart Vorsicht im Busche. Das gilt umso mehr, je niedriger das aktuelle Zinsniveau liegt. Wenn aber renommierte Banken solche Offerten in Form von Aktienanleihen ausloben und auch noch in wohlklingende Werbeverpackungen setzen, dann gibt es bei vielen Anlegern kein Halten mehr: Den Emittenten dieser innovativen Finanzprodukte werden die Papierchen regelrecht aus den Händen gerissen. So bieten die Privatbankiers Sal. Oppenheim derzeit zwei Aktienanleihen an. Eine auf SAP mit einem Zinssatz von 12,5 Prozent und auf die Allianz AG mit einem Coupon von 10 Prozent. Per annum wohlgemerkt! Noch üppiger blüht der Anlegerblumenstrauß, den die BHF-Bank hergerichtet hat. Unter dem Motto "Starke Zinsen für Ihr Depot" bieten die Frankfurter Banker folgende Aktienanleihen (siehe Tabelle) zum Nominalbetrag von 2 000 Euro und zu einem Ausgabekurs nahe 100 Prozent!
Zur Verdeutlichung, worum es geht, greife ich mal die Aktienanleihe von Siemens heraus. Für einen Nominalbetrag von 2 000 Euro und dem exakten Kaufkurs 99,80 Prozent muss ich 1 996 Euro aufwenden. Dafür zahlt mir die BHF-Bank auf jeden Fall 15,50 Prozent (310 Euro), und zwar völlig egal, wie der Siemens-Kurs läuft. Wenn aber am so genannten Referenztag am 16. Februar 2001 die Börsennotiz von Siemens unter dem Kurs von 142,86 Euro liegt (siehe in der Tabelle oben rechts von mir als Kursklippe bezeichnet), dann wird mir die BHF-Bank eben nicht 2 000 Euro zurückzahlen (was schön wäre), sondern mir 14 Siemens aufs Auge drücken.
Gesetzt den Fall, Siemens fielen bis zu diesem Termin auf 100 Euro, was ich mir persönlich gut vorstellen kann, dann gelte es, folgende Rechnung aufzumachen. 14 Siemens mal 100 Euro gibt 1 400 Euro. Mit Zinsen (310 Euro) bringt mir der Deal also 1 710 Euro ein. Bezogen auf den Kapitaleinsatz von 1 996 Euro, habe ich einen Verlust von 14 Prozent erwirtschaftet. Da habe ich aber ein tolles Geschäft gemacht. Fazit: Es handelt sich bei Aktienanleihen bei aller Schönfärberei also um recht riskante Formen der Kapitalanlage. Das mag mal gut gehen, kann aber halt genauso gut schief laufen. Wer geglaubt haben mag, die Banken hätten etwas zu verschenken, der irrt. Börsebius
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