ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2019Genomanalysen: Broad Consent
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… Der Artikel thematisiert das Sammeln von Bioproben ohne Einwilligung der Probenspender/-innen, das aus datenschutzrechtlicher Perspektive unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist. In der Praxis kommt dies jedoch im Grunde kaum vor, da akademische Biobanken eng mit lokalen Datenschutzbeauftragten und Ethikkommissionen zusammenarbeiten, die einem solchen Vorgehen entgegenwirken. Dreh- und Angelpunkt sind hierbei die vom Arbeitskreis der medizinischen Ethikkommissionen erarbeiteten Vorlagen, die für die Gewinnung und Aufbewahrung von Bioproben in Biobanken sowie deren Verwendung für die Forschung immer eine schriftliche Einwilligung der Spender/-innen (nach schriftlicher und mündlicher Aufklärung) voraussetzen.

Weiterhin geht der Artikel auf den Umgang mit „Zufallsbefunden“ im Rahmen von Forschungsprojekten ein. Wir sprechen im Weiteren von Zufallsergebnissen, da diese keinen ärztlich validierten Befunden gleichkommen. Zufallsergebnisse stellen die Ausnahme dar, da Forscher/-innen bei ihren (genetischen) Analysen in der Regel nur das finden, wonach sie explizit suchen. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Zufallsergebnisse auftreten, existieren bereits erste Handlungsempfehlungen.

Auch die Herausforderung der Zweckbestimmung von Forschungsvorhaben (als Grundlage einer validen Einwilligung) wird in dem Artikel angesprochen. Die Sammlung und Verwendung von Bioproben mit einem „Broad Consent“ des Spenders (allgemeine Einwilligung zur medizinischen Forschung ohne Bezug auf konkretes Projekt) stellt ein wesentliches Element einer dynamischen biomedizinischen Forschung dar. Die Entwicklung und deutschlandweite Einführung dieses Broad Consents wurde durch die gleichzeitige Implementierung strenger ethischer und wissenschaftlicher Kontrollinstanzen ermöglicht. So wird regelhaft durch unabhängige Ethikkommissionen und Vergabekommissionen geprüft, ob Proben und Daten an Forschungsprojekte ausgegeben werden dürfen. Allerdings bestehen bei einigen wenigen lokalen Datenschutzbeauftragten noch Vorbehalte gegen den Broad Consent. Hier für rechtliche Sicherheit zu sorgen, wäre wünschenswert.

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Prof. Dr. med. Michael Hummel, 13353 Berlin

Literatur beim Verfasser

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