ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2019Sicherheit von Biologika bei Autoimmunerkrankungen: Interleukin-Inhibitoren mit erhöhtem Infektions- und Malignomrisiko assoziiert ?

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Sicherheit von Biologika bei Autoimmunerkrankungen: Interleukin-Inhibitoren mit erhöhtem Infektions- und Malignomrisiko assoziiert ?

Dtsch Arztebl 2019; 116(51-52): A-2404 / B-1975 / C-1915

Heinzl, Susanne

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Foto: mauritius images
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Interleukin-(IL-)Blocker werden bei immunologisch bedingten Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Psoriasis, Spondylitis ankylosans und chronisch-entzündlichen Darm­er­krank­ungen angewendet. Die therapeutische Wirkung ist gut belegt, allerdings fehlen Daten zum Sicherheitsprofil, insbesondere zur Frage, ob das Risiko für schwere und opportunistische Infektionen und für Krebserkrankungen erhöht wird. Dies wurde nun in einem systematischem Review mit Metaanalyse von einer amerikanischen Arbeitsgruppe untersucht.

In die Analyse wurden die Daten von 74 randomisierten Studien mit 29 214 Patienten eingeschlossen. Tocilizumab war in 18 Studien, Secukinumab in 15, Anakinra in 8, Ixekizumab in 6, Rilonacept in 6, Sarilumab in 4, Sirukumab in 4, Ustekinumab in 4, Brodalumab in 3, Guselkumab in 2, Clazakizumab in 2, Canakinumab in einer und Olokizumab in einer Studie untersucht worden.

In 35 Studien waren Patienten mit rheumatoider Arthritis, in 12 mit Psoriasisarthritis, in 9 mit Spondylitis ankylosans und in 18 Studien bei weiteren Indikationen untersucht worden.

Patienten, die einen IL-Hemmer erhielten, hatten ein höheres Risiko für schwere Infektionen im Vergleich zu Placebo mit einer Odds-Ratio von 1,97 (p < 0,001). Auch das Risiko opportunistischer Infektionen war mit einer OR von 2,35 (p = 0,03) bei IL-Inhibitor-Behandlung erhöht. Am häufigsten waren orale Candidiasis und Herpes Zoster. Ebenso stieg bei IL-Inhibitor-Therapie im Vergleich zu Placebo das Risiko an Krebs zu erkranken (OR: 1,52; p = 0,03).

Die Number needed to harm (NNH) betrug 67 für eine zusätzliche schwere Infektion bei einem medianen Follow-up von 24 Wochen und 250 für eine zusätzliche opportunistische Infektion bei einem medianen Follow-up von 54 Wochen. Die NNH für eine Krebserkrankung wurde mit 250 errechnet bei einem medianen Follow-p von 28 Wochen. Auf Basis der GRADE-Analyse gelten diese Assoziationen mindestens als moderat sicher. Sie sind vergleichbar mit Befunden zu anderen Biologika, die bei rheumatischen Erkrankungen angewendet werden.

Fazit: Die Hinweise aus dieser Studie, dass IL-Inhibitoren das Risiko für schwere Infektionen und für Malignome erhöhen, hält Prof. Dr. Manfred Aringer allerdings für wenig überzeugend. Die Studie habe methodische Schwächen, so der Leiter des Bereichs Rheumatologie an der Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Dresden.

Zum einen sei es problematisch, dass sehr unterschiedliche Interleukin-Inhibitoren in einer Studie untersucht worden sind. „Die Substanzen greifen an ganz verschiedenenen Targets an und haben nichts miteinander zu tun“, so Aringer.

Nicht überzeugend seien auch die Zahlen zum Malignomrisiko. Sie widersprächen zum einen den Sicherheitsdaten aus fast 20 Jahren, zum anderen seien vermehrte Malignome früh nach Therapiebeginn sehr ungewöhnlich. Eine stichprobenartige genauere Betrachtung der Zahlen habe ergeben, dass die Studie zumindest in Teilen mangelhaft sei. „Es sind zum Beispiel fälschlicherweise Werte aus Langzeitstudien übernommen worden und andere Arbeiten zweimal berücksichtigt“, so Aringer. Aus seiner Sicht erlaubt diese Analyse keine praktischen Schlussfolgerungen. „Die Studie sollte kein Anlass sein, Rheumapatienten unter Biologikatherapie zu verunsichern.“ Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Bilal J, Berlinberg A, Riaz IB, et al.: Risk of infections and cancer in patients with rheumatologic diseases receiving interleukin inhibitors. A systematic review and meta-analysis. JAMA Network Open 2019; 2: e1913102.

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