ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2020Krankenhaus: Ärzte fühlen sich zunehmend belastet und ausgebrannt

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Krankenhaus: Ärzte fühlen sich zunehmend belastet und ausgebrannt

Dtsch Arztebl 2020; 117(1-2): A-6 / B-6 / C-6

Korzilius, Heike

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Die Arbeitszeit der Ärzte spielt bei den laufenden Tarifverhandlungen eine wichtige Rolle. Foto: Wavebreakmedia/iStockphoto
Die Arbeitszeit der Ärzte spielt bei den laufenden Tarifverhandlungen eine wichtige Rolle. Foto: Wavebreakmedia/iStockphoto

Knapp 70 Prozent der Krankenhausärzte in Berlin und Brandenburg stehen mehrmals pro Tag oder ständig unter Zeitdruck. Mehr als die Hälfte erlebt täglich die Frustration, den eigenen Ansprüchen an eine gute Patientenversorgung nicht entsprechen zu können, weil Arbeitsbedingungen oder Klinikvorgaben dem entgegenstehen. Etwa ein Drittel gibt an, oft bis sehr oft Gefühle des Ausgebranntseins zu erleben. Das sind die Ergebnisse einer Befragung, die der Marburger Bund (MB) Landesverband Berlin/Brandenburg kürzlich vorgestellt hat. Geantwortet hatten 2 060 Ärzte. „Das ist ein erschreckendes Bild“, erklärte der Vorsitzende des MB-Landesverbands Berlin/Brandenburg, Dr. med. Peter Bobbert, angesichts der Auswertung. Er machte dafür die inakzeptablen Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern verantwortlich, in denen das Primat des wirtschaftlichen Erfolgs falsche Anreize setze. Eine gute Patientenversorgung setze gesunde und zufriedene Ärzte voraus. Deshalb benötigten die Krankenhäuser mehr Personal, eine adäquate Arbeitszeiterfassung sowie die strikte Umsetzung von Vorgaben zum Arbeits- und Gesundheitsschutz. „Es muss ein Umdenken geben. Am Ende ist es der Faktor Mensch, der für eine gute Medizin entscheidend ist“, sagte Bobbert. Der Umfrage zufolge bewältigen mehr als zwei Drittel der Ärzte Stress und Zeitdruck, indem sie ihre Arbeitszeit oft bis sehr oft in die Freizeit ausdehnen. Dabei liegt die Diskrepanz zwischen der vertraglich vereinbarten und der tatsächlichen Arbeitszeit bei mehr als zehn Stunden. Statt 38 Stunden arbeiten die meisten Ärzte 50 Stunden in der Woche. Die Ergebnisse aus der Befragung in Berlin und Brandenburg seien auf die Situation im Bund übertragbar, meinte der Hauptgeschäftsführer des MB-Bundesverbandes, Armin Ehl. HK

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