ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2020Krankenhausplanung: Isolationismus überwinden
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Die bisherige Krankenhausplanung ist vor allem durch das Unvermögen, ja die politische Feigheit der verantwortlichen Planer gekennzeichnet: Das Thema ist zu wichtig, die Entscheidung wirksam für viele Jahrzehnte, sodass eine beeinflussende Mitwirkung der in der Regel emotionalen Bevölkerung sehr problematisch ist.

Es wäre sehr wünschenswert, endlich den Bürgerinnen und Bürgern „reinen Wein“ einzuschenken:

1. Versorgung auf höchstmöglichem Niveau zu jeder Tages- und Nachtzeit, natürlich kostenfrei für die Anspruchsinhaber, erreichbar in 20 Minuten ... das ist illusionär und langfristig nicht bezahlbar.

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2. Krankenhäuser gehören zur Grundversorgung der Bevölkerung wie Bahnhöfe, Arztpraxen, Schulen und Weiteres: Nur Fachleute können errechnen, in welchem Radius grundsätzlich zum Beispiel Katheterplätze, OP-Einrichtungen etc. vorgehalten werden müssen.

3. Spezialabteilungen wie zum Beispiel Gefäßmedizin, Herzchirurgie, Neurochirurgie, onkologische Spezialeinrichtungen gehören zusammengefasst, zum Beispiel wie es schon bei der onkologischen Pankreaschirurgie und der Neurochirurgie von Tumoren der Schädelbasis vorbildlich betrieben wird.

Föderaler „Isolationismus“ muss schleunigst überwunden werden: Die Bundesländer wirken bei der Planung zusammen. Es darf nicht mehr eine Planung gefördert werden, die Krankenhäuser entlang der Bundeslandgrenzen ohne Berücksichtigung der Infrastruktur „auf der anderen Seite“ durchführt.

Und: Zu den Nachbarn gehören heutzutage auch die EU-Nachbarn. Es ist nicht mehr hinnehmbar, zum Beispiel entlang der Grenze zwischen den Niederlanden und Deutschland perlschnurartig Uni-Kliniken, Groß- und Kleinkrankenhäuser zum Teil in 20 Kilometern Entfernung voneinander zu betreiben. Daher muss Krankenhausplanung sich mit den entsprechenden Planungen auch dieser Nachbarn auseinandersetzen.

In Anbetracht der schwieriger werdenden Versorgungssituation im ländlichen Raum, insbesondere Grenzraum (in solchen Räumen leben übrigens 60 % aller Europäer, was gar nicht bekannt ist), ist es überlebenswichtig, über seinen Tellerrand zu blicken und eine gemeinsame Gesundheitsversorgungsplanung zu betreiben, auch wenn diese politisch unpopuläre Entscheidungen erfordert.

Dr. med. Ulrich Kamphausen, 41063 Mönchengladbach

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