ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2020Eisenmangelanämie: So klappt der Verordnungs-Switch

PHARMA

Eisenmangelanämie: So klappt der Verordnungs-Switch

Dtsch Arztebl 2020; 117(1-2): A-32

Strathaus, Regine Schulte

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Bei der Therapie mit den gängigen Eisenpräparaten, die oral oder parenteral verabreicht werden, tritt oftmals das Problem gastrointestinaler Unverträglichkeiten auf. Doch ein Wechsel zu einer Substitution mit Eisen-III-Maltol wird durch Verordnungsvorgaben bislang nur zögerlich eingeleitet.

Die Prävalenz der Eisenmangelanämie liegt in Europa bei etwa 5–10 %, bei Frauen im gebärfähigen Alter sogar bei circa 20 %. Eisenmangel ist definiert als Verminderung des Gesamtkörpereisens; eine Eisenmangelanämie liegt nach WHO vor, wenn die Hämoglobinkonzentration unter 12 g/dl für Frauen und 13 g/dl für Männer sinkt.

Hausärzte behandeln häufig Patienten mit Eisenmangelanämien, die in Folge einer chronisch entzündlichen Darm­er­krank­ung, einer eingeschränkten Nierenfunktion oder einer Herzinsuffizienz auftreten. Eine Eisensubstitution kann auch bei lang anhaltenden Menstruationsblutungen, Schwangerschaften und anderen Ereignissen, die mit starken Blutungen einhergehen, sinnvoll sein, da sich die Eisenverfügbarkeit drastisch verringern kann.

Anzeige

Bei einem Fachpressegespräch von Norgine wies die Gastroenterologin Dr. med. Stefanie Howaldt, Hamburg-Eppendorf, darauf hin, dass die folgenden Laborparameter vorliegen müssen, um eine verbindliche Diagnose zu erhalten: Serum-Ferritin, die Transferrin-Sättigung sowie das Hämoglobin (Hb). Erst bei Bestimmung dieser 3 Parameter könne eine entsprechende Substitution effizient sein.

Drehtüreffekt vermeiden

Da in der Hausarztpraxis überwiegend mit oralen Eisen-II-Monopräparaten oder einer parenteralen Eisensubstitution therapiert wird, komme es, so Howaldt, durch die Unverträglichkeiten und gegebenenfalls den starken Blutverlust oftmals zu einem Drehtüreffekt: Die Patienten wanderten vom Hausarzt zum Gastroenterologen zur Koloskopie oder Gastroskopie oder in die Klinik und zurück zum Hausarzt. Das bedeute eine zusätzliche psychische Belastung der chronisch Erkrankten, weiß die Fachärztin.

Ein neues Therapieregime mit oraler Eisengabe kann die oft mit einer Eisensubstitution einhergehenden gastrointestinalen Unverträglichkeiten wie Diarrhoe, Übelkeit und Obstipation eliminieren und den Patienten neue Lebensqualität verschaffen. Eisen-III-Maltol (FERACCRU®, Norgine) wird erst an der Darmschleimhaut freigesetzt, da es fest von 3 Maltol-Molekülen umschlossen ist. Es bleibt, anders als Eisen-II, bis zur Resorption gebunden. Die Entstehung von freiem Eisen, das Entzündungen oder gastrointestinale Nebenwirkungen auslösen kann, wird unterbunden. Innerhalb von 12 Wochen können durch diese Substitution in niedriger Dosierung eine signifikante Verbesserung der Hämoglobinkonzentration erreicht sowie der Hb-Wert normalisiert werden.

Wie eine Verordnung für Eisen-III-Maltol unter gesundheitsökonomischen und wirtschaftlichen Aspekten sinnvoll sein kann, erläuterte Christian Koller, Fachanwalt für Medizinrecht, Neuried. Im Kosten-Nutzen-Vergleich sei, gerade bei Unverträglichkeiten, im Sinne der Patienten zu entscheiden und von einer Erstlinientherapie mit Eisen-II-Präparaten zu einer Zweit- oder Drittlinienbehandlung mit verschreibungspflichtigen oralen oder parenteralen Eisen-III-Präparaten zu wechseln. Dieses Vorgehen empfiehlt auch die S1-Leitlinie zur Eisenmangelanämie.

Eisen-III-Maltol-Tabletten seien nicht nur risikoärmer und besser verträglich, sondern böten im Vergleich zu Infusionen auch wirtschaftliche Vorteile, hieß es bei dem Fachpressegespräch weiter. Bei einem 57 Jahre alten Mann von 78 kg (Hb 10,4 g/dl; Zielwert 14 g/dl) würden die Kosten für die Eisentabletten zum Beispiel mit 283,71 Euro wesentlich niedriger ausfallen als die Behandlung mit Infusionen, die mit 569,07 Euro zu Buche schlage.

Genau dokumentieren

Auch gehe die Therapie mit Tabletten mit einem wesentlich geringeren organisatorischen Aufwand einher und sei mit weniger Fehlerquellen behaftet. Allerdings, so Koller, müssten vor einer Umstellung die Unverträglichkeiten genauestens dokumentiert werden (ICD-10-Codierung: D50.9, Eisenmangelanämie), um ein medizinisch notwendiges rosa Kassenrezept ausstellen zu können.

Bei gleichwertigen Applikationsformen (oral, parenteral) sollte vor der Umstellung auf eine Eisen-III-Maltol-Verordnung der Kosten-Nutzen-Faktor aus wirtschaftlicher Sicht berücksichtigt werden. Habe jedoch eine Applikation entscheidende Vorteile für den Patienten, sollten bei dieser medizinischen Entscheidung die Kosten keine Rolle spielen. Eine Regressgefahr bestehe nur, wenn bei OTC-Präparaten keine gesicherte Diagnose einer Eisenmangelanämie vorliege, bei verschreibungspflichtigen Eisen-III-Präparaten keine gesicherte Diagnose und keine Unverträglichkeit mit herkömmlichen Präparaten bestehe oder bei parenteraler Gabe keine schweren und nicht behandelbaren Resorptionsstörungen aufträten. Regine Schulte Strathaus

Quelle: Fachpressegespräch „FERACCRU®: die erste orale Alternative zu Eisen i.v.“, Frankfurt am Main, 30. Oktober 2019; Veranstalter: Norgine

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema