ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2020Randnotiz: Designer-Babys

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Randnotiz: Designer-Babys

Dtsch Arztebl 2020; 117(1-2): A-5 / B-5 / C-5

Meyer, Rüdiger

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Die Idee von Designer-Babys, bei denen Haarfarbe oder IQ ausgewählt werden können, ist Fiktion. Das ist auch den Anbietern bekannt – die nun neue Geschäftsfelder suchen. Die US-Firma Genomic Prediction hat Tests entwickelt, die an einzelnen Zellen eines Embryos einen polygonen Risikoscore ermitteln. Die Idee basiert auf Ergebnissen von Studien, in denen eine Vielzahl von Einzelnukleotid-Polymorphismen gefunden wurden, die mit bestimmten Krankheiten, aber auch mit Körpermerkmalen wie Körpergröße und kognitiven Leistungen wie etwa dem IQ verbunden sind. Die Firma bietet bisher nur Tests für Krankheitsrisiken an. Tests zur Vorhersage des IQs seien auch möglich, doch dafür sei die Zeit noch nicht reif, sagte der Firmengründer Redakteuren von Science. Ein Team um Shai Carmi von der Hebräischen Universität von Jerusalem bezweifelt, dass die polygenen Risiko-Scores funktionieren würden. Die Forscher wendeten diese daher auf einzelne Embryonen an. Für diese wurden Risiko-Scores für Körpergröße und Intelligenz berechnet. In der Realität hätte sich ein Paar für das größte Kind oder für das Kind mit dem höchsten IQ entscheiden können. Doch nach den Berechnungen waren die Unterschiede zwischen den Embryonen nicht sehr groß. Sie betrugen maximal 2,5 cm an Körpergröße und 2,5 Punkte auf der IQ-Skala. Das sind minimale Unterschiede, für die die wenigsten Eltern wohl bereit wären, die Kosten für die Präimplantationsdiagnostik zu tragen. Und wenn doch, müsste ihnen die Klinik fairerweise sagen, dass es sich bei den polygonen Risikoscores lediglich um Wahrscheinlichkeiten handelt.

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