ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2020Oberschenkelhalsbruch: Eigentlich nicht notwendig
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... Seit 1961 befasse ich mich mit Medizin. Schon während des akademischen Lehrunterrichtes, später in der Fachausbildung bis zum Ausscheiden aus dem aktiven Dienst in den verschiedenen klinischen Positionen war die Forderung, den polymorbiden Patienten mit einer Fraktur des coxalen Femurendes sofort zu operieren, ein Gesetz, vorausgesetzt dass keine Kontraindikationen vorlagen. In meinen Ausbildungskliniken und später in der von mir geleiteten Klinik waren der traumatische Notfall, so haben wir dieses Krankheitsbild interpretiert, fast ebenbürtig mit dem akuten Abdomen im Rahmen des OP-Saal-Managements. Ist da irgendetwas in den letzten Jahren aus dem Ruder gelaufen?

Die Forderungen, die in dem Artikel aufgemacht werden, sind nicht geeignet, im Sinne des alten Patienten zu handeln. Traumatologische Abteilungen, die nicht in der Lage sind, ihren fachlichen Auftrag zu erfüllen, sollten geschlossen werden. Ebenso ist die 48-Stunden-Forderung nicht fachlich unterfüttert. Nebenerkrankungen können schlagartig in den Vordergrund treten und damit die geplante Operation leider in den Hintergrund treten lassen. Glaubt wirklich jemand, dass die Behandlung der präoperativ aufgetretenen Komplikationen nach 48 Stunden Karenzzeit in einem anderen Krankenhaus besser behandelt werden können, vorausgesetzt, das Krankenhaus ist technisch gut aufgestellt? Warum ich diese harte Forderung in den Vordergrund stelle, muss ich hier, bei dem bekannten Komplikationskatalog, nicht erläutern.

Was mich ebenfalls umtreibt, ist die regelhafte primäre Versorgung einer bimalleolären Luxationsfraktur mit einem Fixateur mit später folgender Platten- oder jedweder Osteosynthese bei nicht vorhandenen Kontraindikationen. Wird es dazu auch bald eine Richtlinie des G-BA geben? Ist etwa der ökonomische Druck so hoch, dass dieses Handeln im Interesse der Krankenhauskasse eine Forderung darstellt?

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Aus meiner Sicht sind solche Richtlinien des G-BA nicht notwendig, es sei denn, die von mir beschriebenen Vorgehensweisen sind in Vergessenheit geraten.

Dr. med. Wolfgang Hothorn, 07548 Gera

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