ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2020Krankenhausabrechnung: Absurd und diffamierend
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,,Wes Brot ich ess – des Lied ich sing“ – weit über 90 Prozent der sogenannten Parteiengutachten des MDK fallen zuungunsten der Leistungserbringer (hier Krankenhäuser) aus. Ich bin seit 25 Jahren niedergelassener Arzt und versorge und behandle auch Patienten, die stationär zu führen sind. Hierbei bewegt man sich zwischen Skylla und Charybdis. Werden zu viele Eingriff ambulant erbracht, wird man (überwiegend vor Weihnachten, möglichst in der Adventszeit) mit Plausibilitätsprüfungen belohnt, versorgt man die Patienten dagegen im Bedarfsfall stationär, wird dies vom MDK in oben genannter Art und Weise konterkariert.

Den behandelnden Ärzten und dem Codieren der Krankenhäuser eine vorsätzliche Falschcodierung im Sinne eines Upgradings zu unterstellen, ist absurd und diffamierend. Es ist davon auszugehen, dass jeder in den Codierprozess involvierte Arzt oder Klinikmitarbeiter dies nach bestem Wissen und Gewissen tut.

Bei einem Umfang von mehreren zehntausend Codiermöglichkeiten ist dieses Unterfangen (insbesondere für diesbezüglich nicht geschulte Ärzte) häufig nicht nur
zeitraubend, sondern ggf. auch schlichtweg nicht korrekt erbringbar, da die hierfür erforderliche Sachkompetenz vom behandelnden Arzt gegenüber dem Krankenhaus oder dem Kostenträger nicht geschuldet ist.

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Geschuldet vom MDK ist allerdings eine gutachterliche Sorgfalts- und Objektivitätspflicht, die vom Verordnungsgeber durchaus definiert und festgelegt ist und daher auch für die erforderlichen Tätigkeiten des Medizinischen Dienstes uneingeschränkt Gültigkeit haben (§ 274 StGB sowie § 25 der Berufsordnung lassen grüßen!).

Nach meiner langjährigen Erfahrung ist davon auszugehen, dass circa 60 bis 70 Prozent der Gutachten in der Beurteilung sachlich falsch sind und ein ebenso hoher Prozentsatz vorsätzlich zugunsten der Kostenträger ausfällt.

Erfahrungsgemäß führen MDK-Gutachten mit der Annahme eines Behandlungsfehlers daher zur Einschaltung der Gutachterkommission bei den Ärztekammern oder zur Eröffnung eines Zivilprozesses mit Schadensersatzforderungen etc.

Erfahrene Richter rümpfen über MDK-Gutachten meistens die Nase und schalten gerichtsbekannte seriöse Gutachter und Fachärzte ein, die oftmals zu völlig anderen Einschätzungen kommen als der MDK-Gutachter!

Dr. med. Kornelius Hoffmann, 49393 Lohne

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