ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2020Legale Drogen: BPtK fordert Werbeverbot auch für Alkohol

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Legale Drogen: BPtK fordert Werbeverbot auch für Alkohol

PP 19, Ausgabe Januar 2020, Seite 4

EB; Bühring, Petra

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Bei elf Litern reinem Alkohol pro Jahr und Kopf liegt der Durchschnittskonsum in Deutschland. Foto: picture alliance/Sodapix AG
Bei elf Litern reinem Alkohol pro Jahr und Kopf liegt der Durchschnittskonsum in Deutschland. Foto: picture alliance/Sodapix AG

Die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) begrüßt, dass sich im Deutschen Bundestag eine Mehrheit für ein Tabakwerbeverbot in Deutschland abzeichnet. „Ein Verbot der Tabakwerbung ist eine längst überfällige Maßnahme. Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 120 000 Menschen an den Folgen des Rauchens“, sagt Dietrich Munz, Präsident der BPtK. Das Land habe aber auch ein Alkoholproblem.

Mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland sind der Kammer zufolge abhängig von Alkohol oder trinken Alkohol in schädlichen Mengen. Etwa die Hälfte dieser alkoholkranken Menschen werde durch das Gesundheitssystem nicht erkannt und nur zehn Prozent der alkoholabhängigen Menschen erhielten eine suchtspezifische Behandlung. Alkoholstörungen verursachten nicht nur erhebliche Kosten im Gesundheitswesen, sondern auch volkswirtschaftliche Kosten durch lange Krankschreibungen und Frühverrentungen. Die BPtK weist auf epidemiologische Studien hin, denen zufolge die Hochrisikophase für die Entwicklung einer Alkoholstörung bereits im zweiten Lebensjahrzehnt in den Jahren zwischen 15 und Anfang 20 liegt.

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2018 stellte die WHO in ihrem Gesundheitsbericht fest, dass Deutschland im europäischen Vergleich beim Alkoholkonsum weit über dem Durchschnitt liegt. Pro Kopf liegt der Durchschnitt bei 8,6 Litern reinem Alkohol pro Jahr, in Deutschland liegt er bei elf Litern.

Der BPtK-Präsident kritisiert, dass die Gesundheitspolitik bisher nur auf Aufklärung und Eigenverantwortung setze. „Das reicht nicht aus. Wir brauchen ein Werbeverbot als ersten Schritt und im Weiteren zusätzlich zu Aufklärungskampagnen eine geringere Verfügbarkeit durch die Begrenzung der Verkaufszeiten für Alkohol“, erklärte Munz. Auch die Erhöhung der Preise dürfe kein Tabu sein. EB, PB

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