ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2020Schwangerschaft: Gewalt gegen das Ungeborene

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Schwangerschaft: Gewalt gegen das Ungeborene

PP 19, Ausgabe Januar 2020, Seite 39

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Nicht jede werdende Mutter freut sich über die Schwangerschaft, sondern entwickelt Gefühle wie Ablehnung, Wut und Hass auf das Ungeborene. Das kann dazu führen, dass sie Gewalt gegen das Ungeborene einsetzt, um es zu töten, zum Beispiel durch Schläge, Chemikalien oder andere Schädigungen des Bauchraums. Ein internationales Wissenschaftlerteam berichtet von sechs Fällen, in denen Frauen sich gewaltsam gegenüber dem Ungeborenen verhalten haben. Sie schreiben: „Die Gründe dafür sind vielfältig und komplex.“ Allerdings zeigen sich auch einige Gemeinsamkeiten: Beispielsweise waren alle Frauen unerwünscht schwanger geworden, zum Beispiel durch Missbrauch oder Vergewaltigung. Sie lebten in schwierigen Verhältnissen und hatten zahlreiche Erfahrungen mit Missbrauch, Gewalt und Vernachlässigung im Kindes- und Erwachsenenalter gemacht. Außerdem waren sie teilweise traumatisiert, von psychischen Störungen wie Depressionen betroffen und erhielten keine Unterstützung. Die Angriffe auf das Ungeborene wurden von den Autoren als Weg gedeutet, die eigene Situation durch ein Kind nicht weiter zu verschlimmern und sich selbst zu schützen.

Nach Meinung der Autoren ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass das Bild von der „glücklichen Mutter“ ein Mythos und ein überhöhtes Ideal ist, das übersehen lässt, dass einige Frauen mit dem Mutterwerden nicht zurechtkommen. Es tabuisiert zudem, dass einige Frauen gegenüber ihren ungeborenen Kindern negative Gefühle entwickeln und gewalttätige Handlungen ausführen. Die Autoren plädieren dafür, diese Frauen nicht zu verurteilen, sondern ihnen dabei zu helfen, sinnvolle Lösungen zu finden. ms

Fernandez Arias P, Yoshida K, Brockington IF, Kernreiter J, Klier CM: Foetal abuse. Archives of Women‘s Mental Health 2019; 22 (5): 569–73.

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