ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2020Honorare: Verluste durch Private

EDITORIAL

Honorare: Verluste durch Private

PP 19, Ausgabe Januar 2020, Seite 1

Bühring, Petra

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Normalerweise kurbeln privat versicherte Patienten den Praxisumsatz an. Leistungen werden besser vergütet, zudem erstatten private Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) und Beihilfen oftmals mehr medizinische Leistungen als die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung (GKV). Privatversicherte haben somit eine große wirtschaftliche Bedeutung für Arztpraxen. Für Psychotherapeuten hingegen galt dieser Vorteile bei Privatpatienten nicht – inzwischen erhalten sie von PKV und Beihilfe aber sogar weniger Honorar als von den gesetzlichen Krankenkassen. Darauf hat der Honorarexperte Dieter Best in einem aktuellen Beitrag in der Verbandszeitschrift der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung hingewiesen.

Woran liegt das? Die Honorare haben sich Best zufolge in der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) seit 23 Jahren nicht wesentliches geändert. Bemühungen, die GOÄ zu reformieren, laufen schon seit 15 Jahren. Die Gebührenordnung für Psychotherapeuten (GOP) ist seit 2000 an die GOÄ angehängt. Eine eigenständige GOP barg kurz nach Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes zu viele Unwägbarkeiten bezüglich einer Ungleichbehandlung. Außerdem war die Vergütung damals von 92,50 Euro für 50 Minuten mit einem psychodynamischen Verfahren und 100,55 Euro für die Verhaltenstherapie (VT) relativ hoch. Diese Vergütung nach GOP hat sich bis heute nicht geändert, während sich die GKV-Honorare – auch aufgrund der diversen Rechtsprechungen des Bundessozialgerichts – langsam aber stetig weiter entwickelt haben. Aktuell beträgt das Honorar für alle Richtlinienverfahren 99,78 Euro je 50 Minuten. Hinzu kommen noch die auslastungsabhängigen Strukturzuschläge von bis zu 9 Euro je Stunde in der Honorierung nach EBM. Noch krasser sind die Unterschiede in der Gruppenpsychotherapie. Zum Beispiel bringt eine 100-minütige Sitzung mit acht gesetzlich versicherten Teilnehmern ohne Strukturzuschläge 481,39 Euro ein. Dieselbe Gruppe ausschließlich mit Privatpatienten ergibt ein Honorar von 370 Euro bei den psychodynamischen Verfahren und nur 321,76 Euro in der Verhaltenstherapie.

Auf die psychotherapeutische Versorgung von Privatpatienten kann sich die schlechtere Honorierung negativ auswirken, zumal Antragstellung und Abrechnung sowieso mit einem höheren bürokratischen Aufwand für Psychotherapeuten verbunden sind. Deshalb wäre es allemal Zeit für eine Reform der GOÄ/GOP, die dann einen deutlichen Unterschied zur Vergütung nach EBM herstellen sollte. Diese Reform ist im Gange, weiß Dieter Best, Gebührenordnungsbeauftragter der Bundes­psycho­therapeuten­kammer, die wiederum am Reformprozess beteiligt ist. Die Federführung hat die Bundes­ärzte­kammer. Die Frage, ob und wann eine neue GOÄ/GOP kommt, könne derzeit nicht beantwortet werden, schreibt der Experte. Denn unter anderem müsse die Politik zunächst klären, ob die private Kran­ken­ver­siche­rung erhalten werden soll, oder nicht doch eine Bürgerversicherung angestrebt wird.

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PS: Die EBM-Reform, auf die sich Kassenärztliche Bundesvereinigung und GKV-Spitzenverband am 12. Dezember geeinigt haben, bringt für die Honorierung der Richtlinienpsychotherapie keine Veränderungen (siehe Seite 17). Moderat angehoben werden ab dem 1. April nur die probatorischen Sitzungen, ebenso wie Nebenleistungen im Kapitel 35.

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