ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2020Psychotherapie im Alter: Gewinn für Psychotherapeuten und Betroffene

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Psychotherapie im Alter: Gewinn für Psychotherapeuten und Betroffene

PP 19, Ausgabe Januar 2020, Seite 42

Heuft, Gereon

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In der Publikationsreihe „Psychoanalyse im 21. Jahrhundert“ haben Meinolf Peters und Reinhard Lindner einen bemerkenswerten Überblick über die „Psychodynamische Psychotherapie im Alter“ veröffentlicht. So werden in einem ersten Grundlagen-Kapitel die sich wandelnden Alternsbilder, die biologischen Grundlagen des Alterns sowie die kritische Auseinandersetzung mit dem Defizitmodell des Alterns in Abgrenzung zu aktuellen Konzepten einer lebenslangen Kontinuität psychodynamischer (Entwicklungs-)Konflikte vermittelt. In gut verständlicher Weise wird die Bedeutung von psychodynamischen Theorien wie der existenziellen Psychotherapie (Yalom), der narzisstischen Herausforderungen (Kernberg; Teising), der lebenslangen Entwicklung (Erikson), der Dynamischen Integrationstheorie (Labouvie-Vief) sowie der Bindungstheorie (Bowlby) für ein Verständnis der zu leistenden intrapsychischen Aufgaben dargestellt. Diese Theorien können sich gegenseitig ergänzen und dienen stets dem vertieften Verständnis spezifischer Aspekte des intrapsychischen Erlebens von Altern.

Der im zweiten Kapitel dargestellte „Treatment Gap“ problematisiert die vor allem bei über 70-Jährigen „verweigerte“ Behandlungsindikation der nachfolgend – auch mit eindrücklichen Fallbeispielen – illustrierten psychischen beziehungsweise psychosomatischen Störungsbilder inklusive der Posttraumatischen Belastungsstörung und der Verarbeitung somatischer Krankheiten. Besonders innovativ sind die Abschnitte, die sich mit dem Kompetenzprofil eines Alterspsychotherapeuten und mit den bisher wenig diskutierten Psychotherapiezielen und der Beendigung von psychotherapeutischen Behandlungen Älterer auseinandersetzen. Weitere Kapitel etwa zum Zusammenhang von Narzissmus und Suizidalität, zur Psychotherapie im Pflegeheim oder der sich verändernden Zukunftsbilder Älterer in den nachwachsenden Alterskohorten runden dieses Buch ebenso ab wie das umfassende Literaturverzeichnis.

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Die klare Sprache und die Zusammenfassung am Ende eines jeden Kapitels mit weiterführenden Fragen, die zum Mitdenken (oder zur Lernkontrolle) anregen können, machen das Buch zu einem Gewinn für jeden Arzt und Psychologen sowie alle Alternden oder diejenigen, die sich bewusst auf diesen Lebensabschnitt vorbereiten möchten. Altern konfrontiert mit ganz neuen Entwicklungsaufgaben. Wie in allen anderen Schwellensituationen des Lebens können sich psychische oder psychosomatische Symptome auch bei Älteren neu entwickeln – und sind oft gut behandelbar. Das Buch kann somit auch betroffenen Älteren Mut machen, rechtzeitig die Frage nach einer adäquaten psychotherapeutischen Behandlung zu stellen. Gereon Heuft

Meinolf Peters, Reinhard Lindner: Psychodynamische Psychotherapie im Alter. Grundlagen, Störungsbilder und Behandlungsformen. W. Kohlhammer-Verlag, Stuttgart 2019, 272 Seiten, kartoniert, 35,00 Euro

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