ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2020Interpersonelle Psychotherapie: Methode ohne ideologischen Überbau

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Interpersonelle Psychotherapie: Methode ohne ideologischen Überbau

PP 19, Ausgabe Januar 2020, Seite 43

Koch, Joachim

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In diesem Buch steht alles wichtige über die Interpersonelle Psychotherapie (IPT). Zuerst wird eine Einführung gegeben, der Rahmen für die Anwendung in der Praxis aufgezeigt und aktuelles Wissen über das Erkrankungsbild der Depression vermittelt. Dann wird ausführlich die Anwendung der IPT unter ambulanten wie auch stationären Bedingungen beschrieben. In einem Buchteil werden spezielle praktische Fragestellungen behandelt, wie beispielsweise der Umgang mit schwierigen Therapiesituationen. Im letzten Teil geht es um die Ausbildung und die Aufgaben eines IPT-Therapeuten.

Interpersonelle Psychotherapie gilt als ein wirksames, wissenschaftlich fundiertes Therapieverfahren, das besonders für Personen mit Depressionen zugeschnitten ist, die in Zusammenhang mit zwischenmenschlichen Problemen stehen. Sie war ursprünglich als Kurzzeitansatz mit 12 bis 20 ambulanten Einzelsitzungen zur Behandlung unipolarer Depressionen entwickelt worden. Begründet haben die IPT Klerman, Weissman, Rounsaville und Chevron mit einem Therapiemanual, das bereits im Jahr 1984 erschienen ist. Wesentliche Teile dieses Original-Manuals sind auf hundert Seiten im Buch in deutscher Sprache abgedruckt. Ansonsten handelt es sich bei dem vorliegenden Buch, das von einem Autorenteam von zehn Personen verfasst wurde, um eine eigenständige Monografie. Folgende wesentliche Änderungen zu den Vorauflagen sollen hier erwähnt werden: Zahlreiche Modifikationen des Ansatzes für andere Störungsformen, Settings sowie Zeitrahmen, die in den letzten Jahren entwickelt wurden, werden beschrieben. Eine weitere wichtige inhaltliche Veränderung betrifft die Behandlungsfokusse, von denen es im Original-Manual folgende vier gibt: Trauer, Interpersonelle Konflikte und Auseinandersetzungen, Rollenwechsel und Rollenübergänge (mit Lebensveränderungen fertig werden), Einsamkeit und Isolation. In der vorliegenden Auflage wird als fünfter Behandlungsfokus das Thema Arbeitsstress hinzugefügt, denn von Betroffenen werden arbeitsbezogene Belastungen als häufigster Auslöser für eine Depression angegeben.

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Die Inhalte werden im Buch ausführlich und sehr gut verständlich erklärt, hierzu tragen auch viele kürzere und längere Fallbeispiele bei. Obwohl die IPT ein relativ leicht zu erlernendes und gut fundiertes Verfahren ist, wird es in der ambulanten Praxis noch wenig angewandt. Die IPT lässt sich nicht einfach einer Therapierichtung zuschreiben – oder wie Klaus Grawe es einmal ausgedrückt hat: sie hat keinen ideologischen Überbau – es gibt Wurzeln und Vorgehensweisen, die sowohl in einer psychodynamischen wie auch einer verhaltenstherapeutischen Perspektive gründen. Joachim Koch

Elisabeth Schramm. Interpersonelle Psychotherapie. Mit dem Original-Therapiemanual von Klerman, Weissman, Rounsaville und Chevron. Schattauer Verlag, Stuttgart 2019, 4. überarb. und erw. Auflage, 339 Seiten, gebunden, 55,00 Euro

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